Sonntag, 14. Dezember 2014

Der Winterpalast

Titel: Der Winterpalast
englischer Titel: The Winter Palace
Reihe: Ja-Erster Band der - Katharina die Große - Buchreihe
Sprache: Deutsch
Autor: Eva Stachniak
Verlag: insel Taschenbuch
ISBN: 978-3-458-35970-8
Preis: 9,99 $ (D) Taschenbuch
Seiten: 529
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 21. Oktober 2012
Wenn du jemanden findest, wirst du mich vergessen.
Wenn du jemand Schlechteren findest, werden deine Gedanken mich zurückbringen zu dir.
Ich dachte an den Tag, als sie in Moskau angekommen war, ein vierzehnjähriges Kind, das nicht wusste was aus ihm werden würde. Ich dachte an die junge Frau, die sie wurde. Man hatte ihr vieles weggenommen, aber ihr Herz war nicht gebrochen.
Meine Kaiserin, dachte ich.
Katharinas Stimme schallte weithin durch die Luft: "Ich schwöre, dass ich Russland größer machen werde als je zuvor."
Dieses Cover ist wohl wahrlich passend zur kalten Jahreszeit. Was wohl mit ein Grund ist, weswegen ich es mir nun vom SuB genommen habe. Ich hatte irgendwie richtig Lust darauf :)
Aber es ist schon ein Hingucker. Der Winterpalast im Hintergrund hebt sich vom winterlichen Weiß ab und strahlt vor Pracht geradezu. Dazu gibt es im Vordergrund eine Frau in einem Kleid. Als Leser kann ich nicht sicher sagen, ob es Katharina oder Warwara ist. Die Freiheit sich das Gesicht dazu im Kopf selber zu malen, gefiel mir schon immer besser, als wenn alles direkt vorgegeben wird, nur um sich das ganze Buch über dann mit meiner eigenen Vorstellung vom Charakter zu beißen.
 Erster Satz - Spione bleiben normalerweise unsichtbar, außer sie werden enttarnt, oder sie treten freiwillig ans Licht der Öffentlichkeit.

Die Wände haben Ohren.
An jeder Ecke lauern wachsame Augen.
Im kaiserlichen Palast ist selten ein Geheimnis sicher. Zu viele Spione kreisen wie die Geier über jeden, der sich zu weit ins Licht wagt. Eine Tatsache, die auch Warwara nur zu gut kennt, ist sie doch selbst eine dieser Zungen der Kaiserin.
Dann eines Tages trifft die Gemahlin des Königs ein. Prinzessin Sophia von Anhalt-Zerbst ist anders als die kalten Damen aus dem Winterpalast und schon bald entspannt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen diesen beiden Frauen. Eine Freundschaft, welche die Zukunft von ganz Russland verändern könnte.

Eva Stachniak´s Stil ist zum einen sehr beschreibend, zum anderen schafft sie es aber auch, die Stimmung dieser Zeit wunderbar einzufangen, so das man sich als Leser fast selber unter den Launen der Kaiserin ducken will, das System des Königshauses versteht und soviel für sich selber mitnimmt, dass man das Buch auch in den etwas langweiligeren Abschnitten gut durchlesen kann.
Die vielen Intrigen und immer die Gewissheit das nur ein falsches Wort alles Zerstören können, ließ durchweg eine gewisse Spannung in der Luft hängen. Eigentliche Kopf-ab-Aktion kann man jedoch nicht erwarten. Fans davon, sollten also lieber hier einen Bogen um dieses Buch machen. 
Vielleicht liegt es daran, dass man mit Warwara dieses Abenteuer erlebt, das es sehr einfach ist andere Charaktere in die Schubladen für gut und böse zu stecken. Überraschungen erlebt man da eher wenige.
Warwara selbst geht förmlich auf in der neuen Freundschaft mit der jungen Prinzessin. Sie sind nicht nur Verschwörerinnen und Helferinnen, vor allen sind die Freunde. Beide sind auch nach langer Trennung einfach füreinander da. Verbergen, Verdecken und helfen sich eine Menge. Ihr Standunterschied spielt da eine sehr geringe Rolle.
Die Kaiserin ist mir weniger positiv in Erinnerung geblieben. In der Umgangssprache hätte man sie wohl als "Launische Ziege" bezeichnen können. Und selbst das wäre noch reichlich positiv ausgedrückt.
Aber auch die anderen Parteien im Hintergrund, sei es der Großfürst Peter, der einfach nicht erwachsen werden will, die vielen Edeldamen, welche nur da waren um die Kaiserin mit Tratsch zu unterhaltene, oder die anderen Fädenspinner, waren da und man hat sich über sie geärgert.  Jedoch fehlte mir bei den Nebencharakteren wirklich die Plastizität der einzelnen Charakter.

Mein zweiter historischer Roman, der einen Großen Pluspunkt gemacht hat, weil es keine vor schmalz tropfende Liebesgeschichte gab, an der man herumknabbern musste. *Daumen hoch*
stattdessen erwartet den Leser zwar keine Aktion im eigentlichen Sinne, jedoch ein ausgefeiltes Intrigenspiel, welches immer an den Grenzen der Gefahr balancierte. Ein Spiel am Hof, welches so Alt wie gefährlich war. So schwang selbst in den etwas langweiligeren Passagen, zum Beispiel das Vorbereiten von diversen Festen, immer ein Hauch Spannung mit. Man wartete einfach auf den großen Knall.
Ohne Abzug kann es sich leider nicht bis zum Fazid durchmogeln.
Etwas, was mich wohl am meisten gestört hatte, war das viele viele Charakter mir zu wenig ausgearbeitet wurden. Da steckte einfach noch so viel Potenzial darin. Der Kanzler, zum Beispiel,  wurde irgendwann, so mein Gefühl, einfach vergessen. Wirklich schade. Er war ein Mistkerl, aber einer mit viel Potenzial. ;)
An anderer Stelle hätte ich mir die ein oder andere Szene doch etwas kürzer gewünscht: (Mich interessiert doch nicht was genau für Gerichte sie da zu jedem Fest gegessen haben!! Euch?) 
Alles in allem aber ein guter historischer Roman, welcher doch besonders durchs Cover sehr gut jetzt in die kalte Zeit passt. Für Fans von historischen Romanen, in denen eben mal nicht die liebe Liebe im Mittelpunkt steht, ein wundervoller Leckerbissen trotz der ein oder anderen Ecke und Kante.
4 von 6 guten Krümeltörtchen ergaunert sich dieses Buch, rund ums eisige Russland und die goldene Kaiserkrone. 


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