Sonntag, 15. Oktober 2017

Was uns ganz macht

Titel: Was uns ganz macht
englischer Titel: Hole in the Middle
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Kendra Fortmeyer
Verlag: Oetinger
 Genre: Roman / Romance
ISBN: 978-3-7891-0845-7
Preis: 18,99 $ (D) Hardcover
Seiten: 336
empfohlenes Alter: ab14 Jahren
Erschienen: 6. Juli 2017
Und? Was wäre dein Loch?

Für die Liebe musst du nicht perfekt sein! Morgan hat ein Geheimnis. Sie ist anders als die anderen und das hat sie siebzehn Jahre für sich behalten. Eines Tages beschließt sie, sich nicht länger zu verstecken und wird unfreiwillig zum Internetstar. Die Medien reißen sich um das vermeintlich unperfekte Mädchen. Im Krankenhaus lernt sie kurz darauf Howie kennen, der buchtäblich ihr perfektes Gegenstück ist. Sie könnten sich gegenseitig heilen, aber können sie sich gegenseitig auch ganz machen?

Vom Cover alleine her kann man die Geschichte schnell in den Topf mit den süßen, aber eher lockeren Liebesgeschichten werfen. Aber dann gibt es den Klappentext und man merkt schon, da gibt es mehr. Etwas das zwischen den Seiten verborgen liegt und das man erst entdeckt wenn man es öffnet.
Deswegen nicht gleich wegschauen, auch wenn ihr - wie ich - kein großer Fan von rosa Dingen seid.

Das englische Cover geht da in eine ganz andere Richtung. Das Herz deutet eine Liebesgeschichte an, ist aber nicht so offensichtlich auf Romanze geprägt. Ich glaube mir gefällt da doch unser deutsches am besten. 

Erster Satz -Ein Mädchen wie ich hat genau zwei Möglichkeiten.
 Morgan ist kein normales Mädchen auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Aber sieht man genau hin, bemerkt man, das sie immer die letzte ist, die sich in Sport umzieht. Die einzige, die nicht Schwimmen geht. Eine der wenigen die im Sommer auf Bauchfreie Tops verzichten. Denn Morgan hat ein Geheimnis. Durch ihren Unterbach führt seit ihrer Geburt ein fast perfektes Loch, groß wie ein Pfirsich. Sie weiß das macht sie anormal. Zu einem Freak.
Dann verspricht eine Ärztin Heilung.
Sie lernt Howie kennen. Ihr perfektes medizinisches Gegenstück. Ein Junge der das Schicksal und die Ausgrenzung ebenso ertragen hatte wie sie. Doch die Medien spinnen sich ihre eigene Geschichte zusammen und drängen Morgan immer mehr in die Enge.

Dieses Buch ist nicht laut. Es ist leise und voller Gefhl, das es sich beim Lesen wie eine Decke um einen legt. Mal weich und warm, mal erstickend. Man springt von Gefühl zu Gefühl, lernt Morgan – aus deren Sicht das Buch erzählt – immer besser kennen und sehr gut verstehen. Ich konnte ihre Entscheidungen und Gefühlsausbrücke nachvollziehen. Kaum einer hätte vermutlich anders reagiert. Dazu passt der zarte Stil der Autorin perfekt. Denn neben Morans Geschichte gibt sie den Lesern etwas mit auf den Weg. Eingefangen in der Frage "Was fehlt dir" ihrer Ausstellung, bis zu seiner Antwort gegen Ende des Buches. Diese verrate ich euch nicht. Wo bleibt denn der Spaß. Aber nun wo ich es gerade geschlossen habe, lässt es mich mit einem Lächeln zurück.

Die Presse stößt auf uns herab wie ein Schwarm schwarzer Fliegen.
"Morgen, hier drüben!"
"Was haben eure Ärzte über die Heilung gesagt?"
"Puzzleteile, bitte dichter zusammen und lächeln!"

 Morgen ist so vollkommen normal wie du und ich, von ihrem Wesen her, das man sich leicht mit ihr identifizieren kann. Sie hat ihre Ängste und Sorgen, weiß noch nicht was die Welt wirklich für sie bereithält. Ob sie immer alleine ist und wie sie zeigen kann, wer sie ist. Durch ihre besondere Krankheitsgeschichte kommen dazu noch andere Sorgen hinzu, die sich aber gut auf viele übertragen lässt, wenn man mich fragt.
Howie ist das Gegenteil von ihr. Er ist in einer liebevollen Familie aufgewachsen und hat sein Lächeln nie verloren, auch wenn er eine vorsichtig-schüchterne Art und Weise besitzt, die so wahnsinnig liebenswürdig ist, das ich ihn am liebsten knuddeln würde.
Aber bei diesen beiden gibt es auch Morgans Mutter, der ich schon von Beginn an die Pest an den Hals gewünscht hatte. Diese kalte Frau zieht ihre Karriere ihrem Kind vor und meint dann einfach über ihren Kopf zu entscheiden. Sprich, im Grunde hat Morgan bei ihr gar nichts zu sagen und soll Karriere machen, damit niemand mehr mit dem Finger auf sie zeigt. Klar kann ich verstehen, dass es für sie bestimmt auch nicht einfach ist, aber Morgan muss oft zurückstecken und ihr Verhältnis ist daher eher kühl.
Und dann gibt es noch einige andere, mehr oder weniger wichtigere, Nebencharaktere. Wie die behandelnden Ärzte wo ich gerade Dr. Morse bis zum Ende nicht sicher einordnen konnte. Steht nun ihre Karriere oder doch die Heilung für sie an erster Stelle? Oder Morgans beste Freundin Caro, die wahnsinnig Optimistisch und knuddelig ist.

Was ist dein Loch?
Diese Frage stellt euch bald das ganze Buch und die Antwort wird euch überraschen. Denn sie ist nicht einheitlich. Sie ist viele. Hunderte. Jeder hat eine eigene. So komplex und anders. Das gibt einem das Buch nach dem Ende mit. Eine eigene Antwort darauf, verpackt in einer tollen Geschichte, deren einziger Knackpunkt für mich darin liegt, das mir Morgans und Howies "Makel" viel zu konstruiert erschien. Nicht das ihre Mutationen auf genetischer Ebene das perfekte Ebenbild des anderen sind, nein, das nicht. Eher das es eben auch auf physiologischer so ist. Warum muss das eine genau an der gleichen Stelle sein wie das andere? Genau das hat mich gestört. Hätte Howie es an anderer Stelle, wäre mir das vermutlich nicht so ins Gesicht gesprungen. Nicht einmal das die beiden die einzigen mit diesem Defekt sind, hat mich so arg gestört wie dieses Detail. So fand ich auch die "Einpassungen" absolut als Schikane von Dr. Morse. Denn ihren Sinn konnte weder Morgan noch ich nachvollziehen.

"Du siehst beschissen aus", sagte sie.
"Hab gerade gekotzt."
"Nein, ich meine, ganz grundsätzlich", sagte sie. "Du siehst aus, als hätten George Romero und Tim Burton ein Kind bekommen und das führt gerade in deinem Leben Regie."

Aber diese Kante kann man verziehen, denn dieses Buch mit wirklich etwas ganz besonderes. Nicht nur, weil es dem Leser etwas mit gibt, sondern auch weil es das mit einer Ruhe tut, die sich unweigerlich um einen legt. So wird Morgan zu einem Symbol, das sie zwar nie sein wollte, aber dessen Kraft sie zu verstehen beginnt.
Das Ende fand ich übrigens grandios gehalten. Aber leider würde hier ein Spoiler beginnen und deswegen … Psst!

 Eine besondere Geschichte mit einer ganz eigenen Magie. Ruhig und wunderschön.
5 von 6 Krümeltörtchen für dieses besondere und wunderschöne Buch. Gebt ihm eine Chance wenn ihr Geschichten die einfach anders sind genauso liebt wie ich.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Qualityland

Titel: Qualityland
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Marc-Uwe Kling
Verlag: Ullstein
 Genre: Roman
ISBN: 978-3-35500.5015.2
Preis: 18,00$ (D) Hardcover
Seiten: 384
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 22. September 2017
   
   Peter hatte mal gehört, das K.I.s moderner Raketen an die Psyche menschlicher Selbstmordattentäter angelehnt sind. Diese intelligenten Waffen wollen einen Märtyrertod sterben. Ob ihnen wohl eingeredet wird, dass im Jenseits zweiundsiebzig Wartungstechniker nur für sie allein bereitstehen?
 Willkommen in QualityLand! In der Zukunft läuft alles rund: Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. QualityPartner weiß, wer am besten zu dir passt. Das selbstfahrende Auto weiß, wo du hinwillst. Und wer bei TheShop angemeldet ist, bekommt alle Produkte, die er bewusst oder unbewusst haben will, automatisch zugeschickt, ganz ohne sie bestellen zu müssen. Superpraktisch! Kein Mensch ist mehr gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen — denn in QualityLand lautet die Antwort auf alle Fragen: o. k. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller?

Wie vielen von euch ist der Mund auf dem Cover gleich beim ersten Mal aufgefallen?
Ein vergleichsweise dezentes Cover für die Geschichte, die es enthält. Fast ein wenig unauffällig steht es zwischen seinen Geschwistern und warte darauf das es unbedacht vorbeilaufende plötzlich überfallen kann. Nicht nur die beiden verschiedenen Ausgaben sorgen für den Hingucker. Denn es gibt wirklich Unterschiede! Nicht in der Handlung, sondern in die nach jedem Kapitel einblende Werbung. Der Autor erklärt die zwei Ausgaben wie folgt.

"Da sich mein neues Buch viel um Personalisierung und ihre Absurditäten dreht, kam mir schon früh die Idee, diese Personalisierung auch dem Roman selbst angedeihen zu lassen. Deshalb gibt es zwei unterschiedliche Ausgaben. Zwischen den eigentlichen Kapiteln, die in beiden Ausgaben identisch sind, befinden sich Empfehlungen, Nachrichten und Werbung, die voneinander abweichen. Es muss jedoch kein Leser Angst haben, etwas zu verpassen. Am Ende des Romans findet sich ein Link, der zu den Unterbrechungen der jeweils anderen Ausgabe führt. Man muss das Buch also nicht doppelt kaufen, um alles lesen zu können."

Erster Satz - Peter Arbeitsloser hat genug.

 Peter Arbeitsloser lebt in Qualityland. Genauer gesagt in QualityCity. Sein Leben wird durch Algorithmen gelenkt die genau wissen was er wann braucht. Wer er ist. Ein Grund weswegen es in Qualityland keine Zufälle gibt. Schon ein unbewusster Wunsch genügt damit man etwas beim beliebtesten Onlinehändler bestellt. Darüber hinaus übernimmt sein persönlicher Life-Assitent Niemand alle anderen anfallenden Arbeiten. 


Peter hat noch nie an dem System gezweifelt. Genauso wenig wie alle anderen Menschen. Doch als er eines Tages ein Produkt bekommt das ganz und gar nicht seinem Wunsch entspricht, beginnt er hinter die Fassade des unfehlbaren Systems zu blicken. Doch wie soll man gegen solch einen Gegner bestehen? Besonders als Nutzloser? Wie gut, dass er Freunde an seiner Seite hat. Wie den Kampfroboter Micky, die Drohne mit Flugangst Carry und noch ein paar andere.
Und auch von der menschlichen Seite bekommt er unerwartet Hilfe.

 Ich kann gar nicht sagen wie oft ich bei der Lektüre dieses Buches am liebsten lachend über den Boden gerollt wäre. Seien es die Dialoge, die kuriose Handlung, die überspitzten Darstellungen oder darin dann wieder die ganze erschreckende Wahrheit. Es war genial. Das Buch liest sich fast von selber und die zwischen den Kapiteln lauernde "Werbung" war jedes mal ein kleines Highlight. Und nach dem Beenden des Buches verstehe ich auch warum es zwei Ausgaben gibt. Ich denke man lässt sich schon beeinflussen dadurch. Nimmt Szenen mit gewissem Werblichen Hintergrund anders wahr als ohne.
Auf jeden Fall war das Buch vom Anfang bis zum Ende ein Erlebnis, das seines gleichen sucht. 

Da sie jetzt Teamleiterin in der Abteilung für Alternative Fakten ist, darf sie heute zum ersten Mal an einem der monatlichen Hanfouts ihrer Firma teilnehmen. 


 Wie schnell sich diese ganze Bande in mein Herz geschlichen hat, kann ich gar nicht sagen. Da haben wir natürlich Peter Arbeitsloser, welcher durch seine Stellung in der Gesellschaft von "Naturaus" ungehört ist. Selbst das System diktiert ihm nur einen Weg noch weiter in den Keller vor. Und da ist es also dieser kleine Mensch, der sich plötzlich gegen die Fehler des Systems auflehnt. Dabei ist er weder herausragend schlau noch etwas anders. Er ist durchschnitt. Er könnte jeder sein! Dazu seine verrückten Freunde, die er vor dem MAschienentod bewahrt hatte. Kalliope 7.3 - eine ehemals erfolgreiche E-Poetin oder Pink das QualityPad mit Persönlichkeitsstörung, Micky der lädierte Kampfroboter, Rome ein hübscher Andoide, Carrie - eine Drohne mit Flugangst und noch ein paar andere. Und man mag über diese verrückte Familie sagen, was man will, aber zusammenhalten tun sie. Und dabei hat jeder Mensch und Maschine jeder seine Ticks und Macken. Es ist wunderbar.

Und auch John, der Androide der sich zum Präsidenten wählen lassen will, darf nicht vergessen werden. Ich gestehe eine Weile habe ich ihm nicht getraut und dann geliebt und dann . . . nun lest selber.

Dieses Buch ist einfach großartig. Anders. Neu. Frech und witzig und dann wieder voller erschreckend wahrer Anspielungen zur aktuellen politischen Lage. Ich bin ganz hin und weg.
Das einzige was ich etwas gemein fand, war das Ende. Es war fast schon ein wenig traurig, zumindest für eine Seite der Erzählstränge. Allerdings kursieren in der letzten "Werbung" dann auch wieder genug Gerüchte, das ich einfach hoffe, das alles nicht so schlimm war. Zudem bemerkt von unserer E-Poetin eine gewisse Anspielung, die mir am Ende plötzlich wieder ins Gedächtnis trat. Super gelöst.
Für wenn ist dieses Buch also etwas? Für alle die das Känguru geliebt haben sowieso. Besonders da auch dieses Hörbuch wieder vom Autor persönlich eingesprochen wurde. Also ein tolles Hörerlebnis. Und dann für alle die kuriose Geschichten genauso sehr lieben wie ich. Jene die unerwartet, anders und einfach fesselnd sind. 
Mit Witz und Wahrheit. 
Überspitzt und ehrlich.

Ziemlich schade, dass es nur einen Band gibt, auch wenn es zwei sind. Gerne hätte ich mehr von Peter und Co. gelesen. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja kein Abschied für immer. 
 6 von 6 Krümmeltörtchen für dieses tolle Buch, in dem mehr steckt als man denkt.



Montag, 9. Oktober 2017

Montagsfrage ^-^


Was bedeuten euch Zahlen, Follower, Likes und Shares?

Ich weiß das vermutlich einige die Nase rümpfen, wenn ich sage "Nicht viel". Aber so ist es. So war es von Beginn an. Klar freue ich mich wenn ich sehe das jemand geblieben ist den ich zu neuen Büchern verführen kann. Ich tippel auch freudig Antworten auf Kommentare. Aber ich bekomme keinen Nervenzusammenbruch, wenn ich sehe das irgendjemand wieder abspringt oder ich auch Woche um Woche auf der gleichen Anzahl Follower sitzen bleibe. Das wäre mir, wenn ich ehrlich bin, einfach zu anstrengend. Der Blog ist mein Hobby. Ich tue es, weil ich wahnsinnig viel Spaß habe über Bücher zu schreiben und zu schwärmen. Und ich habe dabei total nette Blogger-Kollegen kennengelernt wie meine liebe Julia von Zauberfeders Gedankenschnörkel. Keine dabei will ich missen. Mich haben andere zu Büchern verführt, die ich vielleicht nie gelesen hätte.
Das ist es, was für mich das Bloggen so großartig macht.

Für manche ist das vielleicht anders. Sie messen eben ihren Erfolg oder ihre Freude in anderen Dingen. Das ist auch okay, solange ich mich nicht plötzlich selber in einer dieser hier und da gerne mal hochkochenden Follower-Debatten wiederfinde. 
 Leben und leben lassen. 😉😁