Mittwoch, 13. Dezember 2017

Die Drachenreiter von Pern #1 - Die Welt der Drachen

Titel: Die Welt der Drachen
englischer Titel:  Dragonflight
Reihe: Ja, Zweiter Band der - Die Drachenreiter von Pern - Buchreihe
Sprache: Deutsch 
Autor: Anne McCaffrey
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-641-20978-0
Preis: 4,99 $ (D) E-Book

Seiten: 177
empfohlenes Alter: ab 14
Erschienen: 28. Februar 2017 bei Heyne - Original aber von 1968 😊
Leseprobe 
Mit geschickten Fingern löste er die Schale und reiche Lessa die Hälfte des goldgelben Fruchtfleisches. "Auf das wir gemeinsam in den Tod gehen - falls das Ding wider Erwarten doch giftig sein sollte", meinte er grinsend.
Seit Jahrtausenden besteht zwischen den stolzen Drachen und den Menschen, die mit ihnen gemeinsam auf dem Planeten Pern leben, ein festes Bündnis. Die Drachen und ihre Reiter schützen mit ihren speziellen Fähigkeiten Pern vor den katastrophalen Folgen, die die periodische Annäherung eines fremden Himmelskörpers mit sich zu bringen pflegt. Aber die Beschützer des Planeten gelten gegenwärtig nicht viel, denn es ist ungewöhnlich lange her, seit Pern zum letzten Mal in Gefahr war. Als Geächtete fristen die Drachenreiter ihr Leben – bis ihre Stunde wieder kommt. Dann, als der rote Stern nah am Himmel seine Bahn zieht, greifen sie ein und verteidigen Pern gegen eine Invasion der ganz besonderen Art.
Wer oben sich etwas die Angaben zum Buch etwas genauer angesehen hat, der wird aber die Zahl 1968 stolpern. Denn da erblickte das erste Band das Licht der Welt. Da wundert es euch bestimmt nicht, das es schon so einige Cover gab. Das Neue von Heyne ist dabei für mich die Krönung und genau mein Geschmack. Es ist diesem Buch einfach würdig. Ein paar alte musste ich trotzdem für euch zusammensuchen. 
Auch im englischen gibt es so ein paar.

Erster Satz - Rührt die Tommeln für den Krieg, 
Schlagt die Harfe für den Sieg. 
Feuer, friss dich tief ins Land, 
Bis der Rote Stern gebannt.
 Eine unsichtbare Gefahr umgibt Pern. Eine Gefahr die alleine die stolzen Drachenreitern mit ihren geflügelten Gefährten bezwingen kann. Denn nähert sich der rote Stern steht alles vor der Auslöschung. Nur der Phosphoratem der Drachen kann die herabregnenden Fäden zerstören.
Doch nun ist es inzwischen viele Jahre her, das die letzten Fäden fielen und immer mehr Stimmen werden laut, die die Drachenreiter als Nutzlos absetzen wollen. Auch steht das Schlüpfen der neuen Drachenkönigin an und es gilt eine würdige Gefährtin für sie zu finden. So begegnet der junge Drachenreiter F´lare einer jungen Frau die über unglaubliche Kräfte verfügt. Sie scheint perfekt zu sein. Klug, durchtrieben und mit einer Vorahnung behaftet, die die Gefahr verdeutlicht in der sie alle schweben.
Denn der rote Stern nähert sich Pern. Und die Drachenreiter sind viel zu wenige. 
 Jetzt muss ich achtgeben, dass ich nicht gleich wieder anfange zu schwärmen. Aber es ist kaum möglich etwas anderes zu tun. Dieses Buch hat einfach alles. Eine Story die schnell voranschreitet und immer wieder zum Schmunzeln verlockt. Geniale Charaktere die so viel für den Verlauf der Reihe versprechen. Dazu das Einbringen der Drachen, die eben keine "einfachen Tiere" sind, sondern Partner. Dabei verwebt die Autorin Fantasy und Sci-Fi auf eine Art und Weise, das sie untrennbar Hand in Hand gehen, ohne das man beim Lesen das Gefühl bekommt, das sich beide Seiten Kannibalisieren.
Ihr Stil ist dabei wunderbar rund so das man fast durch die Seiten fliegt und ach, wie oft habe ich die Zeit dabei vergessen? 
Der erste Band der Reihe mag kaum 200 Seiten aufweisen und doch baut sie schon hier ihre Charakter großartig auf. Da haben wir F´lare der ein stolzer, aber fairer Drachenreiter ist. Er wurde noch nach den alten Werten erzogen und spürt die drohende Gefahr des roten Sterns. Dabei Besitzt er aber auch einen tollen Humor den er hier und da im Buch verstreut und so seinen Charme zur Geltung bringt.
Oder Lessa, die Gefährtin der Drachenkönigin. Sie ist sehr klug, aber auch durchtrieben, wenn es darum geht ihre Ziele zu erreichen. Sie scheut sich nicht davor F´lare in die Schranken zu weisen. Gleichzeitig ist sie aber sehr Loyal zu jenen, die sie einmal ins Herz geschlossen hat.

"Wir waren nicht immer in Höhlen eingesperrt", erwiederte Ramoth hochmütig und wälzte sich im Wasser, das hohe Wellen ans Ufer schlugen. "Die Sonne scheint angenehm warm, und das Wasser erfrischt. Mir würde es hier gefallen, aber mich übergeht man ja wieder einmal."
Neben den Menschen haben aber auch die Drachen ihr eigenes Wesen. Da gibt es die Drachenkönigin Ramoth - Lessas Gefährtin - die aufgeweckt und wild ist. Sie sit eine gute Königin mit der ein oder anderen Macke - besonders wenn es ums fressen geht. Dann den Bronzedrachen von F´lare, der einen sehr eigenen Sinn für Humor besitzt und trotz seiner Größe ein wahnsinnig lieber Kerl ist.  Genauso wie man Canth und andere auch einfach ins Herz schließt.

Ich könnte den Heyne-Verlag ja immer noch knutschen dafür, das sie dieser tollen Reihe neues Leben eingehaucht hat. Als Kind habe ich damals mal 2 Bände gelesen und mich so sehr in Pern verliebt. Dabei waren es in der langen Reihe nicht mal die ersten und auch keine die Hintereinandergingen. Aber sie waren eben damals schon sehr alt und so eher ein Glücksgriff in einer Wühlkiste. Als ich nun aber dieses Buch sah, war alles plötzlich wieder da und kaum hatte ich angefangen, fühlte ich mich wieder heimisch in Pern. Ein Buch, das so etwas schafft, selbst nach Jahren der Trennung, ist etwas Besonderes.
Jeder Fan von Drachengeschichten sollte sich dieses Band mal näher anschauen. Darin versteckt sich eine Geschichte die sich weder vor der Games of Throne" Story noch vor anderen Autoren wie Naomi Novik oder Christopher Paolini verstecken muss. 
Ich bin froh das diese Reihe noch viele Bände hat und ich Pern bald wieder besuchen kann. Eine Perle unter der Fantasy, die endlich wiederendeckt wurde. Böse wäre ich ja nicht, falls sie doch noch mal als Taschenbuch rauskämen.
6 von 6 Krümeltörtchen für Abenteuer und Spannung und eine Geschichte die ihresgleichen sucht.

Samstag, 9. Dezember 2017

Die Schlange von Essex

Titel: Die Schlange von Essex
englischer Titel: The Essex Serpent
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Sarah Perry
Verlag: Eichborn
 Genre: Roman / Historisch
ISBN: 978-3-8479-0030-6
Preis: 24,00 $ (D) Hardcover
Seiten: 336
empfohlenes Alter: ab16 Jahren
Erschienen: 29. September 2017

Das Pendel schwingt von einem Jahr ins andere, und das Gesicht der Tiefe verfinstert sich.

London im Jahr 1893. Nach dem Tod ihres Mannes verlässt Cora Seaborne die Hauptstadt und reist gemeinsam mit ihrem Sohn Francis in den Küstenort Aldwinter. Als Naturwissenschaftlerin und Anhängerin der provokanten Thesen Charles Darwins gerät sie dort mit dem Pfarrer William Ransome aneinander. Beide sind in rein gar nichts einer Meinung, beide fühlen sich unaufhaltsam zum anderen hingezogen.

Wenn ihr mich fragt, dann ist dieses Cover fast alleine schon Grund genug, sich dieses Buch mal genauer anzuschauen. Ist es nicht wunderschön mit dem gewundenen Schlangenleib und den Pflanzen? So schön detailliert das ist immer wieder gerne vor dem Lesen darüber gestrichen habe. Ein kleiner Traum, das muss man dem Verlag lassen.
Noch dazu sehr passend zum Inhalt.




Im englischen gibt es zwei verschiedene Cover. Einmal das in Grün und dann in Blau. Ich hadere wirklich was ich cooler finde. Das grüne sieht echter – natürlicher – aus, aber würde das blau zu einer geheimnisvollen Sagengestalt nicht besser passen?

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr einen Liebling gefunden?



Erster Satz - Aber dann kippten die Gezeiten, oder der Wind dreht; die Wasseroberfläche wellt sich, scheint (er trott einen Schritt vor) zu pulsieren und zu beben, dann wird sie wieder glatt und still, nur um sich kurz daauf zu kräuseln, als zuckte sie vor der Berührung zurück.

 Cora´s Mann ist tot. Und wenn sie ehrlich ist – was die feine Gesellschaft vermutlich nur wenig ertragen könnte – ist sie froh darüber. Denn endlich ist sie frei von diesem Monster, das nur zu leben schien, wenn er sie demütigen kann. Doch nun ist sie frei zu tun, was sie will und reist zusammen mit ihrem Sohn und ihrer besten Freundin in das vergessene Örtchen Aldwinter um ihren Naturwissenschaftlichen Durst nach all dem was Darwins Lehre versprach zu finden. Und vielleicht auch das Geheimriss der Schlange von Essex zu lösen. Vielleicht ist es gar ein neues Tier? Ein Dinosaurier der das Aussterben überlebt hat?
Der Pfarrer William belächelt die unrealistische Furcht der Leute über diese Sagengestalt und kann doch nicht umhin sich mit dieser jungen Frau immer wieder freundschaftliche Streitgespräche zu liefern. Dann verschwinden Menschen. Tiere sterben auf den Salzwiesen und die Menschen von Altwinter geben der Schlange etwas immer realeres, das bald im Dorf um sich greift.

Wer dieses Buch in Händen hält und sich verzaubern lassen will von dieser großartigen, tief gehenden Sprache sollte sich bewusst das, das es ruhig ist. Vielleicht schon still in seiner Handlung und dennoch kaum zu packen durch seine Charaktere, die alle eigen sind, alle anders und so besonders wie kaum andere. Durch sie bekommt das Buch leben und tiefe und schnell merkt man als Leser, das durch diese Charaktere das ganze Buch mit seiner Tiefe getragen wird.
Dabei begleiten wir bald mehrere Charaktere durch ihr Leben. Ob Cora mit ihrem Sohn und ihrer besten Freundin, William und seine Familie, der junge Arzt. Der ein oder andere Bewohner. Dadurch wechselt die Perspektive recht häufig und doch hatte ich selber nie Probleme damit. Denn mit jedem Wechsel kam ein Puzzleteil dazu und vergrößerte das Bild.
Die Dialoge dürfen dabei nicht vergessen werden. Es sind Dialoge zwischen Wissenschaft und Glauben, zwischen Armut und der Dekadenz der Reichen. Zwischen Mut und alten Werten. Sie tragen den Leser, lassen ihn teilhaben daran und geben Gedanken mit auf den Weg, ohne das im Buch dazu unbedingt eine Einigung gefunden werden muss.


Die einfließenden Briefwechsel zwischen Cora und William sind übrigens auch wunderschön und geben dem Text nochmal mehr. Besonders wenn man bedenkt, das sie eigentlich nicht weit auseinander wohnen.

Ich schrieb ja zuvor das die Charaktere das Buch tragen. Findet ihr, das ist eine gewagte Äußerung? Vielleicht ein wenig und doch stimmt es. Ich versuche es mal anhand der Figuren zu erklären.
Da haben wir die glückliche Witwe Cora, die endlich frei ist, ihren Wissensdurst zu befriedigen und alle Zwänge abwirft. Ja Hosen trägt, ihre Haare auch mal ungekämmt lässt und mit einem standhaften Charakter glänzt. Sie will sich ihrem Studium widmen, nicht ihrer Schönheit. Dann ihr Sohn Francis. Das der Junge anders ist, merkt man schnell. Damals galt er vermutlich als merkwürdig und sonderbar, heute würde ein Arzt wohl die Diagnose Autist stellen. Er nimmt die Welt anders wahr und ahnt noch nicht das er, damit eine große Rolle zugeteilt bekommt.
Auch der Pfarrer ist nicht so typisch steif und dergleichen. Er trägt eine Wissbegier in sich, die er versucht zu verbergen und der er doch erliegt wenn er mit Cora zusammen ist. Sie steckt ihn an, könnte man wohl sagen. 
Am Blackwater gibt es nichts zu fürchten und nichts zu bereuen, nur einen Moment der Verwirrung im Dunkeln und zu viel Alkohol.

Auch der Arzt Luke, ist seiner Zeit vor raus. Er will sich an dinge Wagen, wo andere kopfschüttelnd aufgeben. Er hat Visionen und trifft damit nicht nur auf glückliche Gesichert. Besonders nicht bei William.
So könnte ich noch ewig weiter machen. Coars beste Freundin Marta, die sich für die Armen einsetzt und ihren rauen Charme auch dafür spielen lässt.
All diese Personen und noch mehr, greifen in diesem Buch ineinander und erschaffen so eine Geschichte die anspruchsvoll, tief gehend und wunderschön ist.
Es ist schwer, das gestehe ich, dieses Buch in wenigen Sätzen zu beschreiben. Denn es ist nicht die Handlung, die es trägt, sondern die Charaktere und Dialoge. Sie sind so wunderschön, tiefgehend und aufwühlend das sie in diesem ruhigen Buch wie ein Sturm tosen. Dazu die Themen. Wissenschaft, Glauben, Medizin, Philosophie. Sie reiben sich aneinander und zwingen den Leser fast dazu, selber über Fragen die das Buch stellt nachzudenken. Sich für eine Seite zu entscheiden. Soll Luke die OP wagen trotz der minimalen Chance auf Erfolg? Ist es Gottes strafe, wenn jemand durch ein Messer seinen Lebertraum verliert?

Dieses Buch scheidet die Geister. Das sieht man schnell wenn man mal im www einige Rezensionen liest. Ich finde es großartig. Ein sprachliches Meisterwerk, in dessen ruhe viel Tiefe liegt. Dieses Buch ist anspruchsvoll, wenn auch auf eine gänzlich andere Art als es ein Krimi ist. 
 6 von 6 Krümeltörtchen für "Die Schlange von Essex". Ein besonderes Buch in das ihr unbedingt mal reinschauen müsst.


Mittwoch, 6. Dezember 2017

Lost God - Das Jüngste Gericht

Titel: WLost God - Das Jüngste Gericht
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Gregor Spörri
Verlag: Indie-Autor
 Genre: Science Fiction
ISBN: 978-3-7891-0845-7
Preis: 5,99 $ (D) E-Book
Seiten: 335
empfohlenes Alter: ab16 Jahren
Erschienen: 9. Oktober 2017
Links von sich sieht Sally die Einstiegsluke, die Leiter zum Fligh Deck und eine Schalttafel mit Sicherungen. Hinter ihrem Sitz befinden sich die Luftschleuse, das Ding, was man Toilette nennt, weitere Staufächer sowie die Bodenklappe zum Lower Deck.

Und so beginnt die Geschichte: Ein lastwagengroßes UFO erscheint über der Erde. Auf seiner Hülle prangt ein sichelförmiges Zeichen. Ein Imam deutet das Zeichen als Symbol des Islam und behauptet mit Bezug auf den Koran, das Objekt stamme von den Bewohnern einer Schwesterwelt der Erde. Eine islamistische Terrororganisation ruft daraufhin zum globalen Heiligen Krieg auf.
Alien-Forscher Erich von Däniken entdeckt das gleiche Zeichen auf einem jahrtausendealten sumerischen Rollsiegel und prophezeit der Welt einen Götterschock ganz anderer Art.
Sowohl Russland als auch China wollen das mysteriöse UFO erforschen, doch US-Präsident Donald Trump will den beiden Ostmächten unbedingt zuvorkommen – eine verheerende Entscheidung.
Während Terroristen Europa ins Chaos zu stürzen versuchen, hebt in Cape Canaveral eine Raumfähre ab. Die Besatzung soll das zum göttlichen Zeichen hochstilisierte UFO bergen und in der Ladebucht zur Erde bringen. Mit an Bord sind der verwegene Navy-Flieger Tom Taylor, die junge Wissenschaftsjournalistin und Querdenkerin Sally Brown, sowie der wortkarge deutsche Raketeningenieur Gunther Wolf, der deutlich mehr über das UFO und seine Herkunft zu wissen scheint, als er zuzugeben bereit ist. Doch kaum ist die Raumfähre gestartet, gerät die Welt in einen Strudel apokalyptischer Ereignisse.

Das Cover ist großartig. Der Planet mit der Sonne an der Seite, dann die schrift, die wirkt als würde sie verweht werden. So beenden des Buches finde ich sie vielleicht sogar nicht treffender. Denn heil kommt aus dem Schlamassel so leicht keiner mehr raus.

Erster Satz - 18:10 Uhr.
 Alles beginnt mit einem geheimnisvollen Satelliten, der Unruhe bringt. Die Terroristen sehen es als Zeichen ihres Gottes und rufen zum Krieg gegen Europa auf, Trump sieht es als Ärgernis und will es vom Himmel holen, um allen zu zeigen wie blöd sie sind. Nur wenige ahnen Überhaut was dort draußen ist und wie eine Zeitbombe die Stunden zählt.
Ein Team wird hoch geschickt um das Gerät zu untersuchen und gerät noch ehe sie richtig gestartet sind in Bedrängnis. Runde Sonden-ähnliche riesige Gebilde stürzen vom Himmel und mähen tausende nieder. Die Welt ist in Almbereitschaft und doch völlig machtlos, als sie die wahre Tragweite dessen begreift, was ihnen noch bevorsteht. 
Charaktere gibt es gefühlt Unmengen. Gezählt vermutlich noch mehr, da man durch die ständigen Switsche bald nicht mehr genau sicher ist, wer nun eventuell davon noch wichtig ist. Ist es das Kind, dass das Alienschiff sieht? Oder doch der andere? Oder sind beide bedeutungslos? Es ist teilweise schwer den Überblick zu behalten, selbst für jemanden der schnelle Perspektivwechsel gewohnt ist. Leider verlieren die Charaktere dabei einiges an Präsenz, denn nie bleibt wirklich genug Zeit sie dem Leser näher zu bringen oder auch zu zeigen, dass sie eben mehr als nur ihre drei Grundeigenschaften besitzen. So stirbt hier und da eben einer aber ich muss sagen, das es mich gar nicht berührt hat. Einfach, weil der Charakter bei mir nicht wirklich ankam.
 ".... Der Planet 66Cc, dessen Existenz als gesichert gilt, liegt in der habitablen Zone. ... "
Ohne große Vorrede beginnt das Buch sofort und überschlägt sich fast in seinen Ereignissen. Sichtung des Satelliten, fertigmachen des Spaceshuttles, Unruhen in der Bevölkerung. Schlag um Schlag bahnt es an das Buch und man ist richtig drin und will den Kollaps hautnah miterleben. Dann passiert ab etwas über der Hälfte genau das, was man bei diesem Anfang einfach nicht erwartet. Es beginnt auf der Stelle zu treten und einfach nicht so recht vom Fleck zukommen. Alles dreht sich im Kreis, der Autor verfolgt für jeden Spannungsaufbau immer dieselbe Taktik, es wiederholen sich Schreckensszenarien auf der Erde in kurzen, halb seitigen "News". Zum Ende hin gibt es sogar eine solch unsinnige Szene, das ich deren Bedeutung noch immer nicht ganz erkennen kann.
 "T minus nine minutes an counting."
 Der Stil selber ist flüssig und durch viele technische Begriffe und Erklärungen durchzogen. Dies ist bis zur über die Hälfte kaum wahrnehmbar da eben immer noch genug passiert, als das es langweilig wird. Doch sobald die Geschichte ihren Schwung verliert, hauen diese Erklärungen auf den Leser ein und ziehen das ganze immer wieder in die Länge. 
Ich muss sagen, dass ich am Ende dachte, das Buch fängt sich wieder. Leider tat es das nicht und ich saß dann nur noch ungläubig lesend da, weil ich es selten erlebt habe, das ich ein Fantasy oder Sci-Fi- Buch als vollkommen absurd wahrgenommen habe. Mit Aliens und Technologie kann ich leben. Verrückte Charaktere, klar gerne. Und auch sonst ist meine Hemmschwelle groß. Aber das war dann selbst für mich zu viel. Zu sehr Konstruiert um das ganze dann doch noch irgendwie in eine Linie zu bringen und mit einer Textstelle aus Bibel und Co abzudecken. Besonders weil diese Taktik bis knapp nach der Mitte des Autors wunderbar aufging. Ich ließ mich mitreißen von Theorien, die sagten das die Aliens den Steinzeitmenschen einst geholfen hatten. War absolut dabei, als man von Sonden sprach und fand es großartig, wie schön alles ineinandergriff, sich untermauerte und den Leser mitzog. Aber die Erklärung am Ende? Da bin ich ausgestiegen.
Eine andere persönliche Sache, die ich mit einem Augenrollen zur Kenntnis genommen habe, war die am Ende noch so "rein gewürgte" Liebesgeschichte. Der Leser bekommt davon gar nichts mit und wird dann plötzlich vor das Ergebnis gesetzt. Zu Konstruiert für mich.
 
Es war ein langes hin und her zu entscheiden wie ich dieses Buch nun bewerte. Ich schwankte so zwischen 3 und 4. Am Ende habe ich mich für 4 entscheiden, weil mir schon mehr als die Hälfte gut gefallen hat.
Am Ende ergaunert sich  Lost God 4 von 6 möglichen Kümeltörtchen und landet damit im soliden Mittelfeld.