Mittwoch, 25. Oktober 2017

Viel näher als zu nah

Titel: Viel näher als zu nah
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Angela Kirchner
Verlag: Dressler
 Genre: Kinderbuch / Fantasy
ISBN: 978-3-7915-0057-7
Preis: 16,99 $ (D) Hardcover
Seiten: 256
empfohlenes Alter: ab 13 Jahren
Erschienen:  25 September 2017
"Fütterungszeit ist erst in zwei Stunden!", sagt er entschieden. "Der halbe Elch vom Frühstück muss bis dahin reichen."

Am Anfang war der Knall. Es ist diese Nacht, diese Party, die alles verändert im Leben von Fey und Lucas. Fey und ihre Freundin wollen eigentlich nur nach Hause und geraten mitten rein in das Motorradrennen von Lucas und Ben, mitten rein in den Unfall. Mitten rein in ein neues Leben. Und dann treffen Fey und Lucas sich wieder. Obwohl sie sich hassen sollten, sprüht es Funken, und nicht nur vor Wut!

Ich finde es wirklich wahnsinnig schade, dass das Bild dem Cover nicht gerecht wird. Denn auf ihm seht ihr nicht, das der blaue Rand aus Leinen ist, das die Schrift eingestanzt ist und im Licht toll funkelt. ♥
Ich bin richtig verliebt. Alleine von der Haptik großartig.
Am besten schnell mal in den Buchladen und sich das Buch anschauen. Vielleicht seit ihr ja genauso verliebt wie ich. 
 
Erster Satz -  Ich kann das.

Zu behaupten das Lukas Mist gebaut hat, wäre die größte Untertreibung des Jahrhunderts. Denn durch ihn sind zwei Menschen schwer verletzt worden. Sich selbst zählt er nicht mit. Er hat es verdient, denkt er. Und während sein Gewissen ihn langsam auffrisst, er nicht weiß wie er sein Leben überhaupt wieder auf die Reihe bekommen soll, erkennt er, das er eines der Mädchen kennt. Das er Fey auf dieser Party getroffen hatte die der Anfang vom Ende war. Und nun hasst sie ihn. Verständlich. Nachvollziehbar.
Sie wird ihm nie verziehen.
Zufällig begegnen sie sich immer wieder. Ein grausames Spiel oder Heilung für sie beide?

 Dieses Buch ist wahnsinnig zart. Vom Stil, von dieser fast zerbrechlichen Handlung, die durch ein falsches Wort komplett abstürzen könnte. Denn dieser Drahtseilakt zwischen Gewissen, Geschehen und Gefühlen erfordert Fingerspitzengefühl. Sobald es auf einer Seite zu viel wird, stürzt das Buch unweigerlich ab.
Davor hatte ich Angst und wurde von Seite zu Seite mehr beruhigt. Denn Angela Kirchner besitzt genau dieses Gefühl, mit dem sie ihren Charakteren Leben gibt, ohne sie merkwürdig zu verbiegen. Ohne das sie unrealistisch wirken. Sie führt uns durch das Buch - wobei der Großteil aus Lucas Sicht erzählt wird – und setzt uns am Ende auch kein wirkliches Ende, was ich mehr als passend finde. Denn für Lucas und Fey ist es noch nicht vorbei, auch wenn der Leser sie verlassen muss.

Ist das eine Sitcom hier? Ein Test, wie oft ich es aushalte, ihm über den Weg zu laufen, ohne dabei den Versstand zu verlieren und eine Dummheit zu begehen?
 
Der Großteil des Buches wird von Lucas erzählt und nur hin und wieder bekommt Fey einen Part. Diese Idee fand ich gleich zu Beginn des Buches super. Zumeist werden Geschichten mit Romantik immerhin aus der Mädchensicht erzählt. Hier dreht die Autorin mal den Spieß rum. Dabei habe ich Lucas sehr ins Herz geschlossen. Er ist ein Junge, der sich seine Schwächen – oder eben die Nachwirkungen des Unfalls – nicht vor anderen eingestehen will. Dabei ist er, aber eben kein Arsch dem alles egal ist. Er weiß, dass er Mist gebaut hat. Großen Mist. Und er versucht das irgendwie wieder hinzubekommen. Macht Fehler dabei und steht trotzdem immer wieder auf.
Fey ist gerade am Anfang schwer einzuschätzen. Da geht es dem Leser und Lucas gleich. Hier helfen die kleinen Passagen aus ihrer Sicht, die zeigen, warum sie so sehr versucht ihn zu hassen, und auf eine Art daran scheitert, die für sie neu ist. So wirken ihre Launen zwar Sprunghaft, sind aber auch Selbstschutz.

Wer bei diesem Buch eine typische Liebesgeschichte erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Denn es zieht sich zwar zartes Gefühl durch das Buch, dennoch würde ich es nicht als Hauptaspekt bezeichnen. Im Vordergrund steht der Unfall und seine Folgen. Die sich dadurch Leben verändern. Auf beiden Seiten. Denn Lukas hat mehr als nur die Verletzungen mit sich herumzutragen.
Seine Gedanken dazu tragen dieses Buch. Die Beziehungen zwischen ihm und seinen Eltern und vor allen seinen besten Freund Ben. Gerade bei ihm merkt man, das eine Geschichte im Hintergrund lauert, denn Lucas erkennt, dass er nicht immer ein toller Freund war. Und das Ben es eben auch gebraucht hätte.
So haben wir zarte Fäden die sich von der Hauptgeschichte abspalten und ein Eigenleben entwickeln. Nicht jede davon wird zu Ende erzählt und der Leser bleibt mit Fragen zurück, denn das Buch hat kein richtiges Ende. Aber ich schloss das Buch mit dem Wissen, da die vier das schon hinbekommen würden.

Wie Lucas aber zu seinem Spitznamen gekommen ist, hätte mich schon interessiert. 

"Aber ich muss das aus dem Kopf kriegen, sonst kann ich nicht mal über normal nachdenken."
"Okay, dann leg los."
"Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll."

Die einzige Scharte, die sich das Buch dann doch geholt hat, lag kurz vor dem Ende. Dieses Detail um Fey´s Mom fand ich zu viel Zufall. Zu gut platziert um wirklich reinzupassen. Hätte man meiner Meinung einfach weglassen können. Das Buch hätte das einfach nicht gebraucht.

Hier wartet auf euch eine tolle, neue und einmal ganz andere Geschichte über Folgen, Gefühle und Gewissen.
 5 von 6 möglichen Krümeltörtchen ergaunert sich "Viel näher als zu nah" geradezu spielend. Angela Kirchner werde ich mir merken. 😊

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