Sonntag, 15. Oktober 2017

Was uns ganz macht

Titel: Was uns ganz macht
englischer Titel: Hole in the Middle
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Kendra Fortmeyer
Verlag: Oetinger
 Genre: Roman / Romance
ISBN: 978-3-7891-0845-7
Preis: 18,99 $ (D) Hardcover
Seiten: 336
empfohlenes Alter: ab14 Jahren
Erschienen: 6. Juli 2017
Und? Was wäre dein Loch?

Für die Liebe musst du nicht perfekt sein! Morgan hat ein Geheimnis. Sie ist anders als die anderen und das hat sie siebzehn Jahre für sich behalten. Eines Tages beschließt sie, sich nicht länger zu verstecken und wird unfreiwillig zum Internetstar. Die Medien reißen sich um das vermeintlich unperfekte Mädchen. Im Krankenhaus lernt sie kurz darauf Howie kennen, der buchtäblich ihr perfektes Gegenstück ist. Sie könnten sich gegenseitig heilen, aber können sie sich gegenseitig auch ganz machen?

Vom Cover alleine her kann man die Geschichte schnell in den Topf mit den süßen, aber eher lockeren Liebesgeschichten werfen. Aber dann gibt es den Klappentext und man merkt schon, da gibt es mehr. Etwas das zwischen den Seiten verborgen liegt und das man erst entdeckt wenn man es öffnet.
Deswegen nicht gleich wegschauen, auch wenn ihr - wie ich - kein großer Fan von rosa Dingen seid.

Das englische Cover geht da in eine ganz andere Richtung. Das Herz deutet eine Liebesgeschichte an, ist aber nicht so offensichtlich auf Romanze geprägt. Ich glaube mir gefällt da doch unser deutsches am besten. 

Erster Satz -Ein Mädchen wie ich hat genau zwei Möglichkeiten.
 Morgan ist kein normales Mädchen auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Aber sieht man genau hin, bemerkt man, das sie immer die letzte ist, die sich in Sport umzieht. Die einzige, die nicht Schwimmen geht. Eine der wenigen die im Sommer auf Bauchfreie Tops verzichten. Denn Morgan hat ein Geheimnis. Durch ihren Unterbach führt seit ihrer Geburt ein fast perfektes Loch, groß wie ein Pfirsich. Sie weiß das macht sie anormal. Zu einem Freak.
Dann verspricht eine Ärztin Heilung.
Sie lernt Howie kennen. Ihr perfektes medizinisches Gegenstück. Ein Junge der das Schicksal und die Ausgrenzung ebenso ertragen hatte wie sie. Doch die Medien spinnen sich ihre eigene Geschichte zusammen und drängen Morgan immer mehr in die Enge.

Dieses Buch ist nicht laut. Es ist leise und voller Gefhl, das es sich beim Lesen wie eine Decke um einen legt. Mal weich und warm, mal erstickend. Man springt von Gefühl zu Gefühl, lernt Morgan – aus deren Sicht das Buch erzählt – immer besser kennen und sehr gut verstehen. Ich konnte ihre Entscheidungen und Gefühlsausbrücke nachvollziehen. Kaum einer hätte vermutlich anders reagiert. Dazu passt der zarte Stil der Autorin perfekt. Denn neben Morans Geschichte gibt sie den Lesern etwas mit auf den Weg. Eingefangen in der Frage "Was fehlt dir" ihrer Ausstellung, bis zu seiner Antwort gegen Ende des Buches. Diese verrate ich euch nicht. Wo bleibt denn der Spaß. Aber nun wo ich es gerade geschlossen habe, lässt es mich mit einem Lächeln zurück.

Die Presse stößt auf uns herab wie ein Schwarm schwarzer Fliegen.
"Morgen, hier drüben!"
"Was haben eure Ärzte über die Heilung gesagt?"
"Puzzleteile, bitte dichter zusammen und lächeln!"

 Morgen ist so vollkommen normal wie du und ich, von ihrem Wesen her, das man sich leicht mit ihr identifizieren kann. Sie hat ihre Ängste und Sorgen, weiß noch nicht was die Welt wirklich für sie bereithält. Ob sie immer alleine ist und wie sie zeigen kann, wer sie ist. Durch ihre besondere Krankheitsgeschichte kommen dazu noch andere Sorgen hinzu, die sich aber gut auf viele übertragen lässt, wenn man mich fragt.
Howie ist das Gegenteil von ihr. Er ist in einer liebevollen Familie aufgewachsen und hat sein Lächeln nie verloren, auch wenn er eine vorsichtig-schüchterne Art und Weise besitzt, die so wahnsinnig liebenswürdig ist, das ich ihn am liebsten knuddeln würde.
Aber bei diesen beiden gibt es auch Morgans Mutter, der ich schon von Beginn an die Pest an den Hals gewünscht hatte. Diese kalte Frau zieht ihre Karriere ihrem Kind vor und meint dann einfach über ihren Kopf zu entscheiden. Sprich, im Grunde hat Morgan bei ihr gar nichts zu sagen und soll Karriere machen, damit niemand mehr mit dem Finger auf sie zeigt. Klar kann ich verstehen, dass es für sie bestimmt auch nicht einfach ist, aber Morgan muss oft zurückstecken und ihr Verhältnis ist daher eher kühl.
Und dann gibt es noch einige andere, mehr oder weniger wichtigere, Nebencharaktere. Wie die behandelnden Ärzte wo ich gerade Dr. Morse bis zum Ende nicht sicher einordnen konnte. Steht nun ihre Karriere oder doch die Heilung für sie an erster Stelle? Oder Morgans beste Freundin Caro, die wahnsinnig Optimistisch und knuddelig ist.

Was ist dein Loch?
Diese Frage stellt euch bald das ganze Buch und die Antwort wird euch überraschen. Denn sie ist nicht einheitlich. Sie ist viele. Hunderte. Jeder hat eine eigene. So komplex und anders. Das gibt einem das Buch nach dem Ende mit. Eine eigene Antwort darauf, verpackt in einer tollen Geschichte, deren einziger Knackpunkt für mich darin liegt, das mir Morgans und Howies "Makel" viel zu konstruiert erschien. Nicht das ihre Mutationen auf genetischer Ebene das perfekte Ebenbild des anderen sind, nein, das nicht. Eher das es eben auch auf physiologischer so ist. Warum muss das eine genau an der gleichen Stelle sein wie das andere? Genau das hat mich gestört. Hätte Howie es an anderer Stelle, wäre mir das vermutlich nicht so ins Gesicht gesprungen. Nicht einmal das die beiden die einzigen mit diesem Defekt sind, hat mich so arg gestört wie dieses Detail. So fand ich auch die "Einpassungen" absolut als Schikane von Dr. Morse. Denn ihren Sinn konnte weder Morgan noch ich nachvollziehen.

"Du siehst beschissen aus", sagte sie.
"Hab gerade gekotzt."
"Nein, ich meine, ganz grundsätzlich", sagte sie. "Du siehst aus, als hätten George Romero und Tim Burton ein Kind bekommen und das führt gerade in deinem Leben Regie."

Aber diese Kante kann man verziehen, denn dieses Buch mit wirklich etwas ganz besonderes. Nicht nur, weil es dem Leser etwas mit gibt, sondern auch weil es das mit einer Ruhe tut, die sich unweigerlich um einen legt. So wird Morgan zu einem Symbol, das sie zwar nie sein wollte, aber dessen Kraft sie zu verstehen beginnt.
Das Ende fand ich übrigens grandios gehalten. Aber leider würde hier ein Spoiler beginnen und deswegen … Psst!

 Eine besondere Geschichte mit einer ganz eigenen Magie. Ruhig und wunderschön.
5 von 6 Krümeltörtchen für dieses besondere und wunderschöne Buch. Gebt ihm eine Chance wenn ihr Geschichten die einfach anders sind genauso liebt wie ich.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Qualityland

Titel: Qualityland
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Marc-Uwe Kling
Verlag: Ullstein
 Genre: Roman
ISBN: 978-3-35500.5015.2
Preis: 18,00$ (D) Hardcover
Seiten: 384
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 22. September 2017
   
   Peter hatte mal gehört, das K.I.s moderner Raketen an die Psyche menschlicher Selbstmordattentäter angelehnt sind. Diese intelligenten Waffen wollen einen Märtyrertod sterben. Ob ihnen wohl eingeredet wird, dass im Jenseits zweiundsiebzig Wartungstechniker nur für sie allein bereitstehen?
 Willkommen in QualityLand! In der Zukunft läuft alles rund: Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. QualityPartner weiß, wer am besten zu dir passt. Das selbstfahrende Auto weiß, wo du hinwillst. Und wer bei TheShop angemeldet ist, bekommt alle Produkte, die er bewusst oder unbewusst haben will, automatisch zugeschickt, ganz ohne sie bestellen zu müssen. Superpraktisch! Kein Mensch ist mehr gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen — denn in QualityLand lautet die Antwort auf alle Fragen: o. k. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller?

Wie vielen von euch ist der Mund auf dem Cover gleich beim ersten Mal aufgefallen?
Ein vergleichsweise dezentes Cover für die Geschichte, die es enthält. Fast ein wenig unauffällig steht es zwischen seinen Geschwistern und warte darauf das es unbedacht vorbeilaufende plötzlich überfallen kann. Nicht nur die beiden verschiedenen Ausgaben sorgen für den Hingucker. Denn es gibt wirklich Unterschiede! Nicht in der Handlung, sondern in die nach jedem Kapitel einblende Werbung. Der Autor erklärt die zwei Ausgaben wie folgt.

"Da sich mein neues Buch viel um Personalisierung und ihre Absurditäten dreht, kam mir schon früh die Idee, diese Personalisierung auch dem Roman selbst angedeihen zu lassen. Deshalb gibt es zwei unterschiedliche Ausgaben. Zwischen den eigentlichen Kapiteln, die in beiden Ausgaben identisch sind, befinden sich Empfehlungen, Nachrichten und Werbung, die voneinander abweichen. Es muss jedoch kein Leser Angst haben, etwas zu verpassen. Am Ende des Romans findet sich ein Link, der zu den Unterbrechungen der jeweils anderen Ausgabe führt. Man muss das Buch also nicht doppelt kaufen, um alles lesen zu können."

Erster Satz - Peter Arbeitsloser hat genug.

 Peter Arbeitsloser lebt in Qualityland. Genauer gesagt in QualityCity. Sein Leben wird durch Algorithmen gelenkt die genau wissen was er wann braucht. Wer er ist. Ein Grund weswegen es in Qualityland keine Zufälle gibt. Schon ein unbewusster Wunsch genügt damit man etwas beim beliebtesten Onlinehändler bestellt. Darüber hinaus übernimmt sein persönlicher Life-Assitent Niemand alle anderen anfallenden Arbeiten. 


Peter hat noch nie an dem System gezweifelt. Genauso wenig wie alle anderen Menschen. Doch als er eines Tages ein Produkt bekommt das ganz und gar nicht seinem Wunsch entspricht, beginnt er hinter die Fassade des unfehlbaren Systems zu blicken. Doch wie soll man gegen solch einen Gegner bestehen? Besonders als Nutzloser? Wie gut, dass er Freunde an seiner Seite hat. Wie den Kampfroboter Micky, die Drohne mit Flugangst Carry und noch ein paar andere.
Und auch von der menschlichen Seite bekommt er unerwartet Hilfe.

 Ich kann gar nicht sagen wie oft ich bei der Lektüre dieses Buches am liebsten lachend über den Boden gerollt wäre. Seien es die Dialoge, die kuriose Handlung, die überspitzten Darstellungen oder darin dann wieder die ganze erschreckende Wahrheit. Es war genial. Das Buch liest sich fast von selber und die zwischen den Kapiteln lauernde "Werbung" war jedes mal ein kleines Highlight. Und nach dem Beenden des Buches verstehe ich auch warum es zwei Ausgaben gibt. Ich denke man lässt sich schon beeinflussen dadurch. Nimmt Szenen mit gewissem Werblichen Hintergrund anders wahr als ohne.
Auf jeden Fall war das Buch vom Anfang bis zum Ende ein Erlebnis, das seines gleichen sucht. 

Da sie jetzt Teamleiterin in der Abteilung für Alternative Fakten ist, darf sie heute zum ersten Mal an einem der monatlichen Hanfouts ihrer Firma teilnehmen. 


 Wie schnell sich diese ganze Bande in mein Herz geschlichen hat, kann ich gar nicht sagen. Da haben wir natürlich Peter Arbeitsloser, welcher durch seine Stellung in der Gesellschaft von "Naturaus" ungehört ist. Selbst das System diktiert ihm nur einen Weg noch weiter in den Keller vor. Und da ist es also dieser kleine Mensch, der sich plötzlich gegen die Fehler des Systems auflehnt. Dabei ist er weder herausragend schlau noch etwas anders. Er ist durchschnitt. Er könnte jeder sein! Dazu seine verrückten Freunde, die er vor dem MAschienentod bewahrt hatte. Kalliope 7.3 - eine ehemals erfolgreiche E-Poetin oder Pink das QualityPad mit Persönlichkeitsstörung, Micky der lädierte Kampfroboter, Rome ein hübscher Andoide, Carrie - eine Drohne mit Flugangst und noch ein paar andere. Und man mag über diese verrückte Familie sagen, was man will, aber zusammenhalten tun sie. Und dabei hat jeder Mensch und Maschine jeder seine Ticks und Macken. Es ist wunderbar.

Und auch John, der Androide der sich zum Präsidenten wählen lassen will, darf nicht vergessen werden. Ich gestehe eine Weile habe ich ihm nicht getraut und dann geliebt und dann . . . nun lest selber.

Dieses Buch ist einfach großartig. Anders. Neu. Frech und witzig und dann wieder voller erschreckend wahrer Anspielungen zur aktuellen politischen Lage. Ich bin ganz hin und weg.
Das einzige was ich etwas gemein fand, war das Ende. Es war fast schon ein wenig traurig, zumindest für eine Seite der Erzählstränge. Allerdings kursieren in der letzten "Werbung" dann auch wieder genug Gerüchte, das ich einfach hoffe, das alles nicht so schlimm war. Zudem bemerkt von unserer E-Poetin eine gewisse Anspielung, die mir am Ende plötzlich wieder ins Gedächtnis trat. Super gelöst.
Für wenn ist dieses Buch also etwas? Für alle die das Känguru geliebt haben sowieso. Besonders da auch dieses Hörbuch wieder vom Autor persönlich eingesprochen wurde. Also ein tolles Hörerlebnis. Und dann für alle die kuriose Geschichten genauso sehr lieben wie ich. Jene die unerwartet, anders und einfach fesselnd sind. 
Mit Witz und Wahrheit. 
Überspitzt und ehrlich.

Ziemlich schade, dass es nur einen Band gibt, auch wenn es zwei sind. Gerne hätte ich mehr von Peter und Co. gelesen. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja kein Abschied für immer. 
 6 von 6 Krümmeltörtchen für dieses tolle Buch, in dem mehr steckt als man denkt.



Montag, 9. Oktober 2017

Montagsfrage ^-^


Was bedeuten euch Zahlen, Follower, Likes und Shares?

Ich weiß das vermutlich einige die Nase rümpfen, wenn ich sage "Nicht viel". Aber so ist es. So war es von Beginn an. Klar freue ich mich wenn ich sehe das jemand geblieben ist den ich zu neuen Büchern verführen kann. Ich tippel auch freudig Antworten auf Kommentare. Aber ich bekomme keinen Nervenzusammenbruch, wenn ich sehe das irgendjemand wieder abspringt oder ich auch Woche um Woche auf der gleichen Anzahl Follower sitzen bleibe. Das wäre mir, wenn ich ehrlich bin, einfach zu anstrengend. Der Blog ist mein Hobby. Ich tue es, weil ich wahnsinnig viel Spaß habe über Bücher zu schreiben und zu schwärmen. Und ich habe dabei total nette Blogger-Kollegen kennengelernt wie meine liebe Julia von Zauberfeders Gedankenschnörkel. Keine dabei will ich missen. Mich haben andere zu Büchern verführt, die ich vielleicht nie gelesen hätte.
Das ist es, was für mich das Bloggen so großartig macht.

Für manche ist das vielleicht anders. Sie messen eben ihren Erfolg oder ihre Freude in anderen Dingen. Das ist auch okay, solange ich mich nicht plötzlich selber in einer dieser hier und da gerne mal hochkochenden Follower-Debatten wiederfinde. 
 Leben und leben lassen. 😉😁

Samstag, 7. Oktober 2017

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Titel: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
Reihe: Ja - Band 8 der - Zamonien - Buchreihe
Sprache: Deutsch
Autor: Walter Moers
Verlag: Knaus
 Genre: Fantasy
ISBN: 978-3-8135-0785-0
Preis: 24,99 $ (D) Hardcover
Seiten: 344
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 28. August 2017
"Du bist also sozusagen ein . . . ein . . . Albtraumbeamter?", schlussfolgerte Dylia
Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich.

Als großer Walter Moers Fan lächelt mich dieses Cover ganz besonders an. Und sobald man ein wenig im Buch vorangekommen ist, erkennt man das der Umschlag über und über geschmückt ist mit albtraumfarbenden Nachtmahrschuppen. Ich will gar nicht wissen, wie lange das gedauert hat zu illustrieren. Und dann sieht man natürlich auch noch den Nachtmahr Havarius Opal. Entfernt man den Schutzumschlag, so sieht man übrigens eine helle Variante der Schuppen und die Prinzessin.
 Wenn die Minuten durch die Jahre rufen
Erhebt sich der ewige Träumer
Über seine irdische Last
Und reist mitten hinein
Ins dunkle Herz der Nacht

Aber auch die Innengestaltung darf nicht unerwähnt bleiben. Wunderschöne regenbogenfarbene Illustrationen, Pfauenwörter und Ideenschmetterlinge, Schluchten, Monster. Man entdeckt so viel beim Lesen und es ist großartig. Ein richtiges Buch zum Erleben. 
Das die Illustrationen dabei diesmal nicht vom Autor selbst sind, tut dem ganzen meiner Meinung nach absolut keinen Abbruch. 

 Erster Satz - Die Krankheit von Prinzessin Dylia war die seltenste von ganz Zamonien.

 Prinzessin Dylia hat viel Zeit. Denn wenn man fast nie zum Schlafen kommt, bleibt einem einfach nichts anderes übrig, als viel mehr Zeit als andere zu haben. Denn Dylia leidet unter der seltensten Krankheit von ganz Zamonien. Sie ist so selten, das sie, die einzige ist, die davon betroffen ist. Dass sie damit aber eigentlich gut leben kann, verdankt sie ihrer Grenzenlosen Neugierde, ihrem Verstand und natürlich ihrem unerschütterlichen Optimismus.
Als sie eines Abends jedoch plötzlich Besuch von einem Nachtmahr bekommt, dreht das ganz schon ihre Welt auf den Kopf. Denn Opal, wie sich der Gnom nennt, ist hier um sie in den Wahnsinn zu treiben. Und damit unweigerlich in den Tod.
Bevor dieser unausweichliche Weg jedoch vor Dylia steht, bietet ihr Opal eine letzte große Reise an. Eine Reise zum Herz der Nacht.
Zum Ort der Angst.
Nach Amygddala.
Eine Reise in Dylias Gehirn.
 Wer Walter Moers kennt, weiß um seinen tollen Stil und seine verrückten Geschichten. Seinen vielschichtigen und auch oft sehr klugen Humor, der weit neben HAHA liegen kann. Er ist besonders. Detailverliebt und einfach so anders, das ich jedes mal überrascht werde. Grenzen verschwimmen und bald weiß man nicht mehr so recht, ob man nun traurig oder freudig auf das Verschwinden eines Charakters, einer Figur oder auch nur eines Zwielichtszwerges reagieren soll.
Für jeden, der ihn noch nicht kennt, ist zu sagen, dass ihr das unbedingt nachholen müsst. Moers ist fast schon ein Klassiker im Bereich Fantasy und so lange wie wir leider auf diesen Band warten mussten, so schnell war er dann verschlungen. Aufhören ist einfach nicht drin.

Dylia muss man einfach lieb haben. Sie ist anders, als ihr es kennt. Herrlich verdreht, sehr phantasievoll und gleichzeitig intelligent. Manchmal etwas hochnäsig aber nie wirklich fies. Sie ist ein ganz eigener Charakter der schon nach wenigen Seiten wahnsinnig viel Substanz hat.
Und dann Opal. Der heimtückische Nachtbar dessen Pläne gleich zu Beginn von ihm selber offenbart werden. Er will Dylia in den Wahnsinn treiben. Damit ist er doch automatisch der böse? Richtig? Falsch! Oder vielleicht doch nicht? Hier kommt Moers Händchen für Charaktere wieder ins Spiel. Denn obwohl Opal so gekonnt die böse Rolle eingeht, man weiß was sein Plan ist und er einem oft Genug Raum zum Zweifeln lässt, habe ich ihn lieb gewonnen. Mit ein Grund weswegen ich das Ende so gemein fand. Es war ein emotionaler Seiltanz. Nicht weil es schlecht war, nein, eher weil ich selbst jetzt noch nicht weiß, ob ich darüber traurig oder freudig sein soll.

"Das kenn ich!", sagte der Gnom. "Ich habe das gleiche Problem mit Regenschirmen."
"Tatsächlich?"
"Nein, natürlich nicht. Das war ein Witz."

 Oh es ist wieder vorbei. Ich bin ehrlich traurig darüber. Ich liebe Moers feinsinnigen Humor der aber oft auch einen wahren Kern hat, über den ich dann vielleicht noch eine Spur breiter grinsen kann. Er ist verrückt und wieder ganz anders, auch wenn Fans sich darüber bewusst werden sollten, das es hier kein wiedersehen mit bekannten Charakteren und Figuren gibt. Denn die meiste Zeit spielt das Geschehen in Dylias Gehirn. Das ist der Knackpunkt, über den man sich wohl in klaren sein muss, ehe man beginnt. Aber es ist deswegen nicht weniger genial. Zumal es viel Raum für neue Dinge bietet. Und mal ehrlich, was will ein Nachtmahr schon in unserer banalen Welt? Träume sind immerhin sein Geschäft.
Die ersten 60 Seiten heißt es übrigens etwas durchhalten. Hier wird viel über Dylia erklärt und berichtet, ihre vielen phantasievollen Gedanken und dergleichen. Warum das so ist, wird euch, dann im Laufe des Buches klar. Alles hat seinen Grund, auch wenn man am Anfang bei der Pfauenworterklärung etwas außer Atmen gerät.
Dran bleiben, dann zurücklehnen und genießen.
Wenn vom Walter Moers ein Buch erscheint muss ich es mir gar nicht ansehen um zu wissen das es wieder großartig werden wird. Er genießt wie kaum ein anderer Autor mein Vertrauen.
Der einzige Schwachpunkt dieses Buches ist es wohl, das es schon zu ende ist. 6 von 6 Krümeltörtchen für dieses Lesevergnügen.


Samstag, 30. September 2017

Die goldene Stadt

Titel: Die goldene Stadt
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Sabrina Janesch
Verlag: rowohlt
 Genre: Abenteuerroman
ISBN: 978-3-871-34838-9
Preis: 18,95 $ (D) Hardcover
Seiten: 528
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 18. August 2017
     
Mit rasendem Herzen und Tintenflecken auf den Händen tritt Augusto Berns aus dem Portal des Hotel Maury. Es ist sieben Uhr morgens, die Nacht war kurz. Die Sonne steht bereits am Himmel; ihre Strahlen dringen durch die letzten Nebelbänke und lassen die Ausläufer der Anden gleißend hell aufleuchten …
Peru, 1887. Das ganze Land redet nur von einem Mann – und seiner großen Entdeckung: Augusto Berns will die verlorene Stadt der Inka gefunden haben. Das Medienecho reicht von Lima bis London und New York. Doch wer ist der Mann, der vielleicht El Dorado entdeckt hat? Alles beginnt mit einem Jungen, der am Rhein Gold wäscht und sich in erträumten Welten verliert, der später in Berlin den glühend verehrten Alexander von Humboldt befragt, um bald darauf einen Entschluss zu fassen: Er, Berns, will die goldene Stadt finden. Berns wagt die Überfahrt nach Peru, wo er eher zufällig zum Helden im Spanisch-Südamerikanischen Krieg wird, dann als Ingenieur der Eisenbahn Mittel für seine Expedition sammelt. Mit dem Amerikaner Harry Singer besteigt er die Höhen der Anden und schlägt sich durch tiefsten Dschungel – um schließlich an einen Ort zu gelangen, der phantastischer ist als alles, was er sich je vorgestellt hat.

Erst seit kurzem weiß man, dass die sagenumwobene Inkastadt Machu Picchu von einem Deutschen entdeckt wurde. Sabrina Janesch erzählt die unglaubliche Geschichte dieses vergessenen Pioniers. Tauchen Sie ein in eine exotische Welt und in das Leben eines Mannes, das so abenteuerlich ist wie seine Entdeckung.

So im Nachhinein kann ich gar nicht so genau sagen, was mich dazu bewogen hat nach diesem Buch zu greifen. Das Cover ist eher schlicht, sehr dunkel und verrät nichts über seinen Inhalt. Und doch finde ich es großartig. Gerade wegen seiner Einfachheit und Undurchschaubarkeit. Seiner Unauffälligkeit. Man muss es ein wenig selber entdecken. Genauso wie Berns die goldene Stadt.
Erster Satz - Als Kind wäre Rudolph August Berns beinahe an einer Fliege erstickt, die in seine Luftröhre gelangt war.

Schon als Kind faszinierte Berns das Leben der Inka. Der in seinen Augen größten Baumeister und Architekten. Viele ihrer wunderschönen Städte wurden schon entdeckt und das Gold in ihnen hat reiche Männer aus dessen Findern gemacht. Beflügelt von der Idee die sagenumwobene goldene Stadt Machu Picchu zu entdecken. Und so wächst dieser Wunsch zu einem Traum an und wird der Kernpunkt seines Lebens. Er liest alles, was es zu den Inkas gibt, versucht selbst Humboldt zu einem Austausch zu belegen und stößt leider auch dort nur auf missfallen. Doch Berns gibt nicht auf. Er macht sich einen Namen im peruanischen Krieg. Wird einer der besten Freunde des Präsidenten von Peru und schlägt sich mit seinem Freund und Kameraden Harry Singer durch die grüne Hölle, bis . . . .
Obwohl das Buch ein Abenteuerroman ist, sollte man nicht den fehler machen an einen Peitschen schwingenden Indiana Jones zu denken. Tut man es doch, so wird man enttäuscht. Dafür ist dieses Buch "zu ruhig". So ruhig es eben sein kann, wenn ein ganzes Leben in knapp über 500 Seiten passen müssen. 
Stattdessen durchlaufen wir mit einem guten Tempo die wichtigen Etappen Berns und man merkt, wie fabelhaft die Autorin recherchiert hat. Nichts widerspricht sich, alles wirkt glaubhaft und rund. Mit dem Charakter von Berns abrundenden Wörtern beschreibt sie, was er sieht. So läuft der Leser mit Berns durch den Dschungel, steht mit ihm an den Kanonen oder sieht zum ersten Mal einen Zug. Dadurch das Berns immer der Betrachter neben einem ist, wirkt alles so manches Mal schmucklos und Schnörkellos - ungeschminkt - und dann wieder detailverliebt schildert, geht ein stetiger Wandel durch das Buch.
 Die Begeisterung für diese Stadt und die Hartnäckigkeit erfassen den Leser und hält ihn fest. Dazu fließen viele Informationen über die Inka mit ein und bleiben unwillkürlich hängen. Das ganze Buch ist eine Entdeckungsreise, aus der ich am Ende mit ein wenig Wehmut auftauchte.
Glückseligkeit übermannte ihn. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er das unbestimmte Gefühl, dass die Dinge sich am rechten Platz befanden. Er war wirklich in Peru, und nichts konnte ihn jetzt noch daran hindern, sich vorbehaltlos und unwiderruflich diesem Land zu verschreiben.

Berns ist ein Träumer und gerade deswegen hat er mir so gut gefallen. Er gibt nicht auf, zeigt Großherzigkeit und Entschlossenheit. Schon Treffen mit Humboldt, der ihn und seine Idee als Humbuck und Zeitverschwendung abtut, demonstriert das. Denn anstatt beschämt vom großen Idol den Schwanz einzuziehen, motiviert es ihn erst recht nicht aufzugeben. Auch Singer - sein Kamerad und Freund - will die goldene Stadt finden. Wenn allerdings auch aus eher goldigen Absichten heraus. Dennoch ergänzen sich die beiden manchmal groben Kerle sehr gut und zeigen immer wieder, dass sie aufeinander aufpassen. Eine tolle Freundschaft bis zu Ende.

Auch andere Randcharaktere tauchen auf und bekamen trotz ihreres kurzen Aufenthalts Farbe. So fügten sie sich toll ins Bild ein, ohne das man beim Lesen über sie stolperte.

Ein Leben zwischen zwei Buchdeckeln. Ein Abenteuer so wunderbar recherchiert das es lebendig wirkte. Das hat uns die Autorin mit diesem Buch geschenkt. Realistisch und nah. Biografie, Sachbuch, Abenteuerroman.
Ich bin noch immer begeistert.
Die Inkas waren für mich nie sooo relevant. Das gebe ich zu. Gut hier und da landet auch mal eine Doku auf meinem Teller, aber so ganz und gar kamen sie mich nie holen. Nach diesem Buch ist das anders. Ich habe viel über diese geheimnisvolle Kultur daraus mitgenommen. Viel von Berns gelernt, das die großen Entdeckungen eben nicht zwischen sauberen Kleidern oder schwingenden Peitschen liegen. Dass es eine schweißtreibende, erschöpfende und mitunter nicht ungefährliche Aufgabe ist. Deswegen ist dieses Buch auch so echt. Weil die Autorin Berns Weg selbst gegangen ist, um zu erfahren wie schwierig er war. Und all das hat sie den Lesern mitgebracht.
So wurde daraus ein besonderes Buch, das jeden Fan von Abenteuerromanen aber auch Geschichte mitreißen wird.

Mit einer wunderschönen Sprache geht es auf in den Dschungel, in Hitze und Schwüle und ein mitreißendes Abenteuer.
6 von 6 Krümeltörtchen für diese Reise. Vielleicht möchtet ihr als nächstes unseren Spuren folgen?


Mittwoch, 27. September 2017

Area - I Folge #2 Interview mit Cea Oskolm

Herzlich willkommen hier bei uns auf Area-I. Macht es euch bequem, da sind Kekse, und nur nicht  die geheimen Akten durchstöbern die sich hier ausbreiten. Denn ihr würdet euch doch glatt die Vorfreude verderben. Denn ich bin auch schon ganz aufgeregt. Immerhin habe ich euch ja letztens angekündigt das es diesmal eine Autorin ist, auf dessen nächsten Band ich schon sehnsüchtig warte.

Cea Oskolm, die Autorin der Die Gabe der Quelle - Reihe macht es sich heute mit mir hier gemütlich. Dem Schreiben ist sie schon seit einer ganzen Weile verfallen und ihr Mann wusste zum Glück schon vor der Hochzeit, auf was er sich da einlässt. Glück für Cea und uns das er ihr sogar noch das passende Handwerkszeug an die Hand gab. Auch wenn er sie da wohl so manche Nacht missen musste. Aber Buchstaben können eben fesselnd sein. Beim Lesen und aufs Papier bringen.
Bisher hat Cea auch schon eine ganze Menge von Deutschland gesehen. Bochum, Osten, Leopoldshöhe. Und nun auch noch eine ganz neue Welt. Es gibt so viel zu entdecken.

 Hallo Cea. Schön das du heute bei mir bist. Wie war dein Urlaub? Nutzt du solche Ausflüge auch zum Ideensammeln für deine Geschichten?

Mein Urlaub war wunderbar. Klar fließt alles, was ich erlebe, auf irgendeine Art in meine Geschichten ein. Ich liebe es, antike Orte zu besichtigen. In diesem Jahr war das der Palast von Knossos aus dem 2. Jahrtausend vor Christus. Ein eindrucksvolles Gelände. Solche Orte hatte ich vor Augen, als ich das Heiligtum Wantack schuf. Und nebenbei, die Andenkenläden von Ilux stehen in San Marino und schlängeln sich dort den Berg hoch.
Aber hauptsächlich beobachte ich Menschen. Das geht nirgendwo so gut wie am Pool. Sollte irgendwann in meinen Texten ein kleiner, pummeliger Junge auftauchen, der überall sein Essen verteilt, dann weißt du, woher er kommt.

Okay da werde ich die Augen offen halten *lacht. Aber wenn wir schon einmal bei eindrucksvollen Dingen sind. Die Welt die du in "Die Gabe der Quelle" erschaffen hast, ist nicht nur riesig, sondern auch wahnsinnig Komplex. Wie bist du bei der Erschaffung herangegangen? Oder war einfach alles schon irgendwie da in deinem Kopf?

Nein, es war nicht einfach so da, es wuchs langsam. Es brauchte sogar Jahre, bis die Häuser ihre Dachgärten hatten und sich das einfache Volk in einem Röhrensystem zum Ziel schoss. Zuerst schwebte die Idee im Raum von einer unberührbaren Königin, die sich einen inakzeptablen Freund anlacht.
Im Kopf hatte ich eine Szene, die es tatsächlich erst in den 2. Teil geschafft hat. Die Welt der Drei Planeten wuchs darum herum und wurde immer komplexer, je weiter ich die Geschichte vorantrieb. Da noch nichts veröffentlicht war, konnte ich Details, die für spätere Handlungsstränge wichtig werden, noch in den ersten Teil einflechten. Eine Menge Arbeit, aber gerade das hat Spaß gemacht.

Also Jean würde ich mir auch gerne anlachen. *hihi* Aber das ich deine Charaktere Liebe weißt du ja inzwischen. Wie viel Zeit hat es dich gedauert sie zum Leben zu erwecken? Und vor allen, wird die alte Truppe auch in den nächsten Teilen mit dabei sein?

Die Grundidee wuchs in 2009. Für jeden Teil brauchte ich etwa ein Jahr, mit Unterbrechung. Nicht erschrecken, das Wort »Ende« steht schon seit 2015 unter Teil 6. Dafür bin ich jetzt mit der Überarbeitung so weit, dass alles ganz zügig geht. Während Teil 2 im Korrektorat ist, stecke ich auf Seite 184 von Teil 3.
Und ja, es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Die Geschichte nimmt langsam Fahrt auf, aber ich will ja nicht spoilern.


Das sind ja schon wirklich ein paar Jahre, in denen deine Geschichte wuchs und wuchs. Wie kommt es, dass du dich nun entschlossen hast dein Glück als Selbstpublikation-Autor zu versuchen?

Wenn man sich ein bisschen einliest – und ich hatte ja wie zuvor erwähnt, ein paar Jahre – begreift man ziemlich schnell, dass die großen Verlage keine unbekannten Autoren suchen. Ein paar wenige glückliche gibt es, aber dann muss es genau passen, also am besten ein Einteiler, der sich streng an sein Genre hält. Da ich aber genau diese Geschichte nach meinen Vorstellungen in die Welt entlassen wollte, stand von Anfang an fest: Wenn, dann als Self-Publisher!

 Du hast ja erwähnt, dass du Folgebände so nach und nach in die Freiheit entlassen werden. Magst du uns schon mal ein wenig den Mund wässrig machen bezüglich des zweiten Bandes. Und die wichtigste Frage natürlich, wird Jean wieder dabei sein?

Und wie er dabei sein wird! :-) Allerdings setzt der Kanzler alle Hebel in Bewegung, um eine Beziehung zwischen Jean und Aileiya zu verhindern. Aber Jean wäre nicht Jean, wenn er sich nicht zu helfen wüsste. Allerdings verläuft nicht alles nach Plan und der arme Salis muss unter Jeans Einfällen leiden. Ihr könnt gespannt sein, wie sehr sie die steife Gesellschaft der Drei Planeten auf den Kopf stellen.

Welchen Rat würdest du jedem anderen "jungen" Autor/in mit auf den Weg geben.

Da fällt mir eine Menge ein, aber eines scheint mir wirklich wichtig. Man muss für Kritik offen sein und lernen, Text loszulassen. Das bedeutet im schlimmsten Fall, sich von ganzen Kapiteln zu trennen. Selbst wenn man die Szenen in dem Augenblick, in dem man sie schrieb, genial fand. So verliebt man in die eigenen Worte auch ist, weniger ist manchmal mehr. Ich tröste mich damit, dass ich diese Textpassagen in einem Ordner sammle. Das ist nicht ganz so schrecklich wie sie komplett zu löschen.



Vielen Dank Cea für dieses tolle Interview!
Jetzt bin ich noch hibbeliger auf die Fortsetzung als ohnehin schon. Aber Geduld ist ja eine Tugend und ich versuche genug davon zusammenzukratzen. Jeder, der bisher noch nicht in das vergnügen gekommen ist, sollte spätestens jetzt unbedingt selber einmal die Nase in diese tolle Reihe stecken. Es lohnt sich.


Montag, 25. September 2017

Montagsfrage ^-^


Habt ihr bestimmte Angewohnheiten beim Lesen?

Ohja, ein jeder hat sie, auch wen manche einem selber bestimmt nicht immer bewusst sind, sondern nur unsere Umwelt damit leben muss. *lacht* Darum gehe ich mal von meiner Seite aus.
Bei mir wäre eine zum Beispiel das ich Szenen die mir besonders gut gefallen - manchmal auch einfach einen Satz - mehrfach nochmal lese ehe ich im Buch weiter schreite. Das sind dann auch solche Szenen die mich dann aus dem nichts z.B. bei der Arbeit überfallen und ich plötzlich ein Grinsen auf dem Gesicht habe, das ich keinem wirklich erklären kann. Na ja, außer wir haben gerade zufällig dasselbe Buch gelesen.
Eine andere wäre das ich komplett ins Buch abtauche. Ich kann lachen und quietschen und mich bis zur Hölle gruseln. Und wenn mich dann einer Anspricht, naja.... sagen wir mal reden hilft manchmal nichts. Stupst einfach. 

Was ist mit euch? Plaudert mal aus dem Nähkästchen. 


Freitag, 22. September 2017

Schwarzwasser


Titel: Schwarzwasser
Reihe: Ja - Band 7 der - Kommissar Wallner - Buchreihe
Sprache: Deutsch
Autor: Andreas Föhr
Verlag: Knaur
 Genre: Krimi
ISBN: 978-3-426-65421-7
Preis: 14,99 $ (D) Klappenbroschur
Seiten: 480
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 1. Juni 2017
     
"Mein Gott, er ist seit fünf Jahren Witwer. Wenn er da Bedürfnisse hat -  warum nicht."
"Ach so, das ist normal. Entschuldigung. Ich dachte, so was machen nur Menschen, die wir nicht kennen."
"Wie du siehst, machen das auch andere Menschen."
Als Kommissar Wallner, Chef der Kripo Miesbach, die Nachricht erhält, man habe die Leiche eines alten Mannes gefunden, bleibt ihm beinahe das Herz stehen: Seit Stunden ist sein Großvater Manfred abgängig und auf dem Handy nicht zu erreichen ...
Am Tatort angekommen, stellt Wallner erleichtert fest, dass Manfred wohlauf ist – er und Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner haben den Toten - Klaus Wartberg - entdeckt. Am Tatort findet sich auch eine verstörte junge Frau, die die Tatwaffe in der Hand hält. Hat sie Klaus Wartberg ermordet? Schon bald stellt sich heraus, dass der Ermordete gar nicht tot sein dürfte. Ihn hat es nämlich nie gegeben. Seine Papiere sind gut gemachte Fälschungen, der Lebenslauf ist frei erfunden, Freunde oder Familie gibt es nicht. Wer also war der Tote wirklich? Was verbindet ihn mit der jungen Frau? Und warum musste er eine andere Identität annehmen?



Wer die anderen Teile kennt, sieht gleich, dass das ein neues Band vom Andreas Föhr ist. Und obwohl es eben die typischen Krimi-Farben trägt, wirkt es nicht einmal halb so bedrohlich. Vielleicht aber auch weil man weiß, das man bei diesem Autor neben einem spannenden Fall auch viel trockenen Humor erwarten kann.
Erster Satz - Die Fau war zweiundzwanzig Jahre alt und wohnte im dritten Hinterhof eines Haltbaus in Kreuzberg.

Für Kreuthner sollte der Abend eigentlich ruhig verlaufen. Gut er hat da dieses Mädel kennen gelernt und sein Plan, dass das ganze gemütlich im Bett endet ist auch nicht so ganz aufgegangen, aber der Gedanke zählt. Und schlussendlich war es auch ihre Schuld. Sie wollte ja unbedingt ein Haus mit Bibliothek. Da war er ja fast genötigt sich selbiges von Klaus Wartberg zu borgen. Blöd nur das dieser tot in seinem Bett liegt. Da wurde aus dem Abend also nichts. Stattdessen geht es für das ungleiche Team Wallner und Kreuthner nun darum, den Mörder eines Toten zu finden, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Eine junge Frau rückt ins Zentrum der Ermittlungen. Als Kreuthner ihr jedoch helfen will das ganze gerade zu rücken, lehnt er sich diesmal zu weit aus dem Fenster.

 Wer bei Andreas Föhr bluttriefende Leichen und schnaufende Serienkiller erwartet, wird wohl oder übel enttäuscht sein. Stattdessen hat er aber wahnsinnig viel mehr zu bieten. Da haben wir die tollen Ermittler, die einfach immer ein Grinsen auf meine Lippen zaubern. Fehlt doch kaum einer Unterhaltung dieser leise trockene Humor, den ich so liebe.
Aber auch der Aufbau der Geschichte lässt keine Wünsche offen. Eine durchdachte Handlung, die überraschen kann. Manche Einschübe die man erst als nicht relevant oder Nebenhandlung einsortiert, nur damit sie dann eben doch ihren festen Platz finden. Man ist also immer dabei. Langeweile sucht man hier vergebens.

Ich muss sagen, die Idee solche komplett verschiedenen Protagonisten in ein Team zu packen kann manchmal auch ziemlich gegen die Wand laufen. Gerade, wenn sie eben ständig eher Gegeneinader als miteinander arbeiten. Doch Wallner und sein Kollege sind da anders. Beide ziemlich extrem sei es wegen Hobbys wie schwarzbrennen, Steuerhinterziehung oder auch eine kleine Kälteempfindlichkeit. Sieht man dann den recht gut organisierten und verantwortungsbewussten Gegenpart, ist das wohl alleine schon Grund genug zum Schmunzeln. Die beiden Ergänzen sich super und wenn davon ich nun am meisten mag, weil ich auch noch sieben Bänden nicht.
Dazu kommen dann noch die ebenfalls mal ganz anderen Nebencharaktere, wie andere Kollegen oder wie hier, einen relativ gemeinen Geschäftsmann und einen sehr unglücklichen Rechtsanwalt. Sie alle spielen in die Geschichte mit ein und machen sie lebendig. 



 Wer Humor in seinen Krimis nicht missen will und noch kein Buch von Andreas Föhr ausprobiert hat, sollte das dringend ändern. Sonst wird wirklich was verpasst. Dieser trockene Humor bringt mich immer wieder zum Grinsen. Dazu die manchmal ziemlich speziellen Charaktere. Einfach toll. Und auch wer keine Zeit zum Lesen hat, kein Problem. Dann hört mal ins Hörbuch rein. Das ist vielleicht schon alleine, wegen dem Dialekt noch einmal eine ganz andere Sache. Michael Schwarzmaier als Hörbuchsprecher ist einfach super. Ein toller Tipp, also um längere Autofahrten etwas aufzupeppen.

Humor, Spannung und wahnsiinig viel Spaß beim lesen brachte mir auch Fall Nummer sieben ein. Der einzige Hacken liegt wohl darin, das es bis zum nächsten wieder viel zu lange dauert. 
6 von 6 Krümmeltörtchen für Wallner und Kreuthner. Mögen noch viele Fälle kommen.