Sonntag, 3. Januar 2016

Die Tuchvilla


Titel: Die Tuchvilla
englischer Titel: Changeling
Reihe: Ja -Band 1 der - Marie & Paul - Reihe
Sprache: Deutsch
Autor: Anne Jacobs
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-44238-137-1
Preis: 9,99 $ (D) Taschenbuch
Seiten: 707
empfohlenes Alter: ab 15 Jahren
Erschienen: 15. Dezember 2014
Also gut, dachte sie. Es ist wenigstens ein hübsches Haus, und ich werde nicht nähen müssen, sondern andere Dinge tun.
Ein Herrenhaus. Eine mächtige Familie. Ein dunkles Geheimnis …

Augsburg, 1913. Die junge Marie tritt eine Anstellung als Küchenmagd in der imposanten Tuchvilla an, dem Wohnsitz der Industriellenfamilie Melzer. Während das Mädchen aus dem Waisenhaus seinen Platz unter den Dienstboten sucht, sehnt die Herrschaft die winterliche Ballsaison herbei, in der Katharina, die hübsche, jüngste Tochter der Melzers, in die Gesellschaft eingeführt wird. Nur Paul, der Erbe der Familie, hält sich dem Trubel fern und zieht sein Münchner Studentenleben vor – bis er Marie begegnet
Das Cover passt doch einmal richtig gut zum derzeitigem Wetter. Auch wenn natürlich beiweiten weniger Schnee liegt Also was bedeutet gar keiner. Zumindest noch ^:^. Aber dass soll natürlich nicht heißen, dass es nicht auch eine tolle Sommerlektüre ist.  Aber erst mal zurück zum Cover. Kann man es eigentlich nicht toll finden? Es hat etwas Magisches, etwas Geheimnisvolles und gleichzeitig Edles. Natürlich wirkt hier viel dass Weiß, Natürlich, aber es ist so ein Buch, dass man einfach in die Hand nehmen muss. Selbst wenn man vielleicht nicht viel Historisches liest wie ich. Und dass Die Jahreszeit da auch passend zum Inhalt steht, rundet dass ganze für mich sehr gut ab. 

Erster Satz - Nachdem sie das Jakobertor hinter sich gelassen hatte, waren ihre Schritte immer langsamer geworden. 

Für Marie beginnt ein neuer Abschnitt in ihrem Leben. Ein wichtiger Abschnitt. Vielleicht sogar ihre letzte Chance. Direkt aus dem Waisenhaus verschlägt es das junge Mädchen als Küchenmädchen in die Villa der Tuchmacherfamilie Melzer. Die Arbeit ist hart, die Kollegen Tratschig und oft wenig freundlich und die Familie, so lernt Marie bald, durch manche innere Intrige - wie zwischen den ungleichen Schwestern - gezeichnet.

"Küchenwanze? Ihnen schaut der Hochmut aus allen Knopflöchern. Der Hochmut und  die Dummheit."
Das sie zwischen all dem auch Freundschaft und Zuneigung erfährt liegt dem Zufall zugrunde, als das junge Fräulein Melzer einen Narren an Marie frisst und sie zu ihrem Model und Freundin macht. Doch nicht alle finden diese Entwicklung gut. Das Personal als auch Herr Melzer rümpfen die Nase. Dann wirft der Sohn des Hauses ein Auge auf Marie. Dieses sträubt sich mit Händen und Füßen. Denn sie weiß, daraus kann nichts Gutes werden. 
Oder?
Marie in der Rolle des armen Waisenmädchens, welches im Grunde nichts über seine Eltern weiß und immer schon ein schweres Leben gehabt hat, hätte klischeehaft laufen können, wäre die Autorin auf die Mitleidsschiene aufgesprungen. Doch Marie ist anders. Sie hat eine enorme innere Stärke entwickelt, wo andere zugrunde gegangen wären. Sie ist Stolz und stark, aber nicht hochmütig. Und das sie nicht auf den Kopf gefallen ist, merkt man sehr schnell. Einfach ein Mädchen, das einem ans Herz wächst.
Der Rest der feinen Gesellschaft kratzt da doch hier und da an den Klischees. Da wäre der Hausherr, der ein ziemliches Geheimnis hütet, und als Bürgerlicher seinen Kindern sehr gerne zeigen würde, was harte Arbeit ist. Die Dame des Hauses immer ruhig, besonnen und um Frieden bedacht. Der Sohn, der ein wenig flippiger ist und sich auch aufzulehnen bereit ist. Und natürlich die Melzer-Schwestern. Die können anderster gar nicht sein. Die eine fast elfenhaft, frech und kunstbegabt. Die andere etwas molliger und gesittet und abgeklärter der Gesellschaft gegenüber.
Aber auch die anderen vielen Nebencharas zeichnen sich durch so manch eigenen Charakter aus. Sei es der Rest des Personals, wo besonders Auguste mit Vorsicht zu genießen ist, als auch die anderen Mitglieder der feinen Gesellschaft. Und eines wird dem Leser recht bald klar. Hier spielt kaum jemand mit offenen Karten. 

Der Stil ist einfach und besitzt eine Lockerheit, die ich bei manch einem historischem Roman vermisse. Das bedeutet nicht, dass er platt ist, sondern einfach, dass er mal fern von Staub der letzten Jahrzehnte ist und es schafft, den Leser zu begeistern und auch durch die Vielschichtigkeit der Handlung zu führen, ohne dass man den Eindruck gewinnt, sich in den Fäden der Kreuzenden Handlungen zu verfangen. 
Besonders gut fand ich, dass jeder Charakter in der Familie der Melzers sein eigenes Ding laufen hatte. Man konnte ihre Charaktere gut fassen und trotz der hier und da genutzten Klischees, sah man bei jedem eben auch einen eigenen Charakter den man der Figur auch abnahm. Auch die Atmosphäre von dem normalem leben bis zu den Bällen. Herrlich. 

Ich lese nicht sonderlich oft historische Romane und doch ist es schon mal zwischendrin toll, in so eine ganz andere Zeit abzutauchen. Besonders wenn es wie hier einem die Autorin noch dazu so spielend leicht macht. Sie nimmt den Leser durch Marie einfach mit in dieses Haus. Diese neue Welt in der man sich genau, wie sie erst einmal zurechtfinden muss. Das hat mir viel Spaß gemacht. Gewürzt wurde das Lesevergnügen dann noch zusätzlich durch Intrigen und ein Familiengeheimnis, das mir einiges Zähneknirschen eingebracht hat. 
Alles in allem ist es ein gutes Buch, bei dem man gerade auch sagen kann das es für Leser etwas ist, die sich in der historischen Genre nicht so heimisch fühlen. 
Die Tuchvilla ist ein Buch, das mich begeistert hat obwohl ich nicht einmal so richtig wusste was ich von ihm erwarten konnte. Mir gefiel die ganze Geschichte, dir für mich wunderbar Rund war. Dazu Marie als sehr starke Frau zu dieser Zeit. Kasse!
 6 von 6 Krümeltörtchen für ein Buch, das wohl auch jene, die nicht so sehr von dieser Genre gelockt werden begeistern kann.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen