Donnerstag, 4. Dezember 2014

Eines Morgens in Paris

Titel: Eines Morgens in Paris
englischer Titel: The Emperor of Paris
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: C.S.Richardson
Verlag: Atlantik
ISBN: 978-3-455-60013-1
Preis: 14,99 $ (D) Broshur
Seiten: 236
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Erschienen: 8. Oktober 2014
Ein mit Eis und Messern bewaffneter Dezemberwind, raffte in einer nordische See seine Röcke. Er stieg bei Calais an Land, schwankte, bis er die Straße nach Paris fand, stöhnte sich südwärts durch dichte, alte Wälder, zog auf der Hauptstraßein Beauvais ein, hielt inne vor der Kathedrale, kreiste um den Marktplatz, lüpfte dann seinen steifgefrorenen Rocksaum und schlüpfte ungebeten unter der Tür des einzigen Bekleidungsladens der Stadt durch.
Octavio ist Bäcker, sammelt Bücher und lernt durch eine Verkettung von Zufällen Isabeau kennen - die Liebe seines Lebens. Ein in grünes Leinen gebundenes Buch spielt dabei eine genauso große Rolle wie ein halbblinder Uhrmacher, eine Buchhändler-Familie und ein Künstler. Und dann ist da noch die schrullige Stammkundschaft der Boulangerie… 
Zurzeit scheinen diese "Scherenschnitt-Cover" wirklich beliebt zu sein. Erinnern wir uns an die Cover von Jojo Moyes oder von der Spielmann mit ihrem "Morgen kommt ein neuer Himmel". Diese Liste kann man wohl noch weiter führen. Auch der Roman von C.S. Richardson orientiert sich an diesem derzeit so beliebtem Stil. Mir gefällt es. Es wirkt verspielt, etwas durcheinander- und gleichzeitig versucht man doch die Geschichte auf dem Cover irgendwie zu erraten.
Zusammen mit der roten Grundfarbe ist es auf jeden Fall ein Blickfang. 
Und hier ein Blick auf das englische Cover. Davon gibt es zwei an der Zahl. Beim Ersten tauchen die Pfauenfedern auch im Buch wieder auf. Beim Zweiten (Das unserem Deutschem wirklich unheimlich ähnlich sieht) erkennt man viele Kleinigkeiten wieder.
Beide haben schon ihren Reiz. :) 

http://www.cookeagency.ca/books/images/Richardson-CS_Emperor-Paris.JPG

http://www.katieward.co.uk/blog/wp-content/uploads/2013/02/Emperor-of-Paris-CS-Richardson.jpg
 Erster Satz - Für die geschwätzige Stammkundschaft der Bäckerei wird es unwiderstehlich: der Rauch in ihrer Nase, die Stimmen unter ihren Fenstern, die Schritte der Neugier im Anmarsch. 

Normalerweise suche ich an dieser Stelle ja immer nach Worten um euch, über den Klappentext hinaus, einen kleinen Einblick in das Buch zu gewähren. Warum ihr stattdessen diesmal diese Zeilen lest, liegt daran, dass ich schon seit einen halbem Tag überlege, worum es den nun in diesem Buch überhaupt ging.
Eine seltsame Frage mögt ihr meinen. Immerhin habe ich die ca 230 Seiten ja bereits beendet. Jedoch war ich die ganze Zeit durchweg verwirrt.
Im Klappentext wir eine Liebesgeschichte erwähnt, diese scheint jedoch mit dem Ende des Buches überhaupt zu beginnen. Der Rest füllt sich mit Nebencharakteren und dem Leben der Eltern der beiden "Liebenden".

 

Was also will mir das Buch sagen?
Das Zufälle das Leben schreiben?
Das Bücher Leben verbinden?
Oder ist dies alles gar nicht "wirklich" passiert, sondern alles nur eine Geschichte, ausgedacht von dem Geschichten sammelndem Bäcker?
Ich weiß es wirklich nicht.
Ehrlich und Direkt. 
Solch einen Stil habe ich auch noch nie zwischen den Fingern gehabt. Die Abschnitte sind großteils kaum eine halbe Seite lang. Dann unterbrechen sie mit einem Absatz, nur um in derselben Szene fortzuführen. Regelmäßige und unerwartete Personenwechsel waren genauso an der Tagesordnung wie das Fehlen von Dialogzeichen. Es wirkte irgendwann auf mich so, als würde jemand diese Geschichte nur erzählen und dabei wild hin und herspringen. Da den Überblick zu behalten ist mir zwischendurch wirklich misslungen, sodass ich teilweise noch mal zurückblättern musste. Zwischendrin fragte ich mich sogar, ob man das etwas anders Lesen musste. Mhm...
 Der Schreibstil an sich war dann wieder sehr erzählend und beschreibend, nur um im nächsten Moment gerne etwas philosophisch zu werden. Die Geschichten, die der Bäcker im Verlauf des Buches erzählte, hatten vom Fantasiegehalt eine große Ähnlichkeit mit dem Buch an sich. Daher meine Frage.
Ist es ein Buch oder nur eine Geschichte in der Geschichte?
 Die Charaktere waren genauso. Welche sind nun die Hauptakteure und welche Nebenfiguren? Ich konnte es nicht trennen. Ein Künstler spielt darin, ein Bäcker, eine Modedesignerin und und . . .  dabei weiß man von allen bald gleich viel.
Ich kenne die Träume und Hoffnungen des Künstlers, und wohl auch sein Ende, oder ist er nur aus der Geschichte verschwunden?
Ich kenne die Eltern des Bäckerjungen und den Fluch seiner Mutter.
Ich kenne die stille liebe eines Buchhändlers zu einem grünen Buch und den Geschichten seines Großvaters.
Jeden lernt man kennen. Selbst den blinden Uhrmacher.
Doch wo sind die Protas? Wo die große Handlung und der rote Faden?
Spielt alles im Schoss des Zufalls? Da bin ich überfragt.

 Was soll ich von diesem Buch halten? Wie es überhaupt nehmen, wo ich glaube es kaum, bis gar nicht, verstanden zu haben?
Noch nie habe ich so etwas gelesen und doch kann ich es nicht einfach beiseitelegen, sondern ständig kreisen meine Gedanken um diesen oder jenen Aspekt. Versucht in dem erscheinenden Chaos eine Linie zu finden.
Es ist nicht einfach.
Dann das Ende, das vielleicht eher ein Anfang ist . . . Es ist nicht leicht. 
 Dazu kommt, dass der Klappentext im Grunde kaum etwas mit der Handlung im Buch zu tun hat. Es geht erst um die Eltern. Man erlebt Schicksalsschläge mit, ist dabei, wie die beiden Kinder aufwachsen und ihre Wege gehen. Beide unterschiedlich und doch beide mit einem Makel beladen, dass, wenn ihre Umgebung sich dessen wirklich bewusst wäre, es mit Blicken und Getuschel belohnt hätte.
Dann ein ganzer Berg von Zufällen und Geschichten zu Bildern, die es so nicht gab.
Aber eine Liebesgeschichte? Wo? Höchstens am Ende? Ich bin verwirrt, wie ihr seht.
Dazu kommt der Stil, und diese vielen kleinen Abschnitte. Es liest sich fast schon hektisch, unruhig. Die klare Linie ist nicht wirklich zu erkennen. 
Geht es um Zufälle? Ums Leben? Um unerwartete Ereignisse? 

Das Buch stellt mich vor eine ziemliche Herausforderung. Einerseits lässt es mich nicht gehen. Ständig kreisen meine Gedanken um die wenigen Seiten, das Hin und Her. Die Personen und Handlungen und Geschichten und andererseits wiederum kann ich nicht einmal wirklich sagen, worum es in diesem Buch geht.  
3 von 6 Krümeltörtchen vergebe ich nun nach langem Grübeln. Denn schlecht war es sicherlich nicht, nur verwirrend und gleichzeitig mag es mich nicht los lassen.
Kennt ihr solche Bücher aus?


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