Dienstag, 21. Oktober 2014

Vor uns das Leben

Titel: Vor uns das Leben
englischer Titel: Making Faces
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Amy Harmon
Verlag: INK
ISBN: 978-3-86396-073-5
Preis: 14,95 $ (D) Taschenbuch
Seiten: 380
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Erschienen: 2. Oktober 2014
NAIV ODER DUMM?
Die Highschool ist zu Ende. Das Leben liegt vor Ihnen. und obwohl Fern, Bailey und Ambrose dachten, sie wüssten, was die Zukunft für sie bereithält, geschieht etwas Unvorhersehbares. Etwas, das die drei zusammenführt. Etwas, das ihnen zeigt, dass man stark sein kann, obwohl man im Rollstuhl sitzt. Dass man besonders sein kann, obwohl man sich unscheinbar fühlt. Dass man schön sein kann, obwohl man Narben am Körper trägt. Und dass das Schicksal manchmal seine ganz eigenen Pläne hat . . .
Sieht man einmal davon ab das, seit dem Erfolg von Jojo Moyes, eine Menge Cover diese "Scherenschnitt-Optik" haben, wirkt es auf den ersten Blick fröhlich, sonnig. Einfach unbeschwert leicht. Mit den Blumen und der vorwiegend grünen Farbe ist es fast schon ein Werbeschild für . . . Hoffnung.
Dieser Gedanke kam mir erst auf der Hälfte des Buches. Als ich es einmal wieder zur Hand nahm, um weiter zu lesen. Grün die Farbe der Hoffnung. Warum der Verlag sich gerade für diese vorherrschende Farbe entschieden hat, wird schnell klar.
Das Englische geht hierbei im Vergleich leider unter. Meiner Meinung nach wirkt es wie eines dieser Fantasie-Liebesromane. Einen Zusammenhang zum Inhalt kann ich da wirklich nur schwer finden. Da bin ich ganz zufrieden und Glücklich mit unserem. :) 

http://ecx.images-amazon.com/images/I/81HBetCZk%2BL._SL1500_.jpg
 Erster Satz - "Die alten Griechen glaubten daran, dass alle Seelen, gleich ob gut oder schlecht, nach dem Tod in das Königreich des Hades in der Unterwelt hinabfahren und dort für alle Ewigkeit weiterleben würden", las Bailey laut vor. 

11.September.
Ein Anschlag erschüttert die Welt bis in ihre Grundfesten. Hunderte Tote. Millionen in Trauer und Wut vereint. Dieser eine Tag veränderte das Leben von Millionen Menschen. Viele, weil sie den Verlust eines Menschen verspüren, andere, weil sie die Angst um einen Menschen schon auf der Zunge schmeckten, nur um dann doch gerade noch vom Rand der Klippe zurückzutaumeln.
Egal was es war, selbst im verschlafenen Kansas, blieb dieser eine Tag nicht ohne folgen.
So auch für die drei jungen Menschen Fern, ihren Cousin Bailey und dem Ringerstar Ambrose.

"Sterben ist einfach. Die wahre Herausforderung ist das Leben"

Er verknüpfte ihre Leben miteinander, mit einem dünnen, fast unsichtbarem Band, welches sich mit der Zeit erst zu erkennen gab.
Und so zieht Ambrose unter dem Deckmantel der Rache in den Krieg, während Fern und Bailey ihr Leben in der Heimat weiter führen und ihre Gedanken oft um den jungen Soldaten kreisen.
Dann kommt er wieder und alles ist anders . . .

Der Sieg liegt im Kampf
Amy Harmon schreibt wie das Leben. Sie fasst die vielen Facetten in Worte, verkleidet sie mit Charakteren, wie es sie überall gibt, und haucht ihnen mit Gefühl leben ein.
Sie brachte mich zum Weinen und hoffen. Zum Mitfiebern und lächeln.
Kaum ein Autor hat es mit seinem Werk geschafft mich so aus der Bahn zu werfen, das ich selbst jetzt nach Beenden dieses, einfach Mal still auf meinem Platz sitzen blieb, und alles noch einmal Revue passieren lasse.
Und all das in einer tollen Sprache, die von Situation zu Situation so anders ist. Mal Sanft, mal harsch, mal vorsichtig, . . . aber immer ergreifend.

Auf den ersten Blick wirken sie wie aus der Klischee-Tonne zusammengebastelt.
Da wäre der großartige Ambrose, den jedes Mädchen anhimmelt.
Das schüchterne Mädchen, das ihre eigene Schönheit nicht sieht.
Der Junge im Rollstuhl, der freue an jedem Tag hat. Denn es könnte sein Letzter sein.
Doch wie schon gesagt. Nur auf den ersten Blick. Schaut man tiefer. Erkennt man Schicksale und mehr als man erwartet.
Man sieht Ambrose plötzlich anders, der im Grunde durch diese ganze Erwartung an seine Person, den Spaß am Sport längst verloren hat. Und nur fort möchte. Dann Fern, welche durch die unbedarften Worte der eigenen Mutter, nie erkannt hatte, wie besonders sie doch war. Oder Bailey, der auf den ersten Blick bedürftig erscheint, jedoch so viel zu geben bereit ist.
Hinter jedem Charakter steckt eine Geschichte und diese wird, nicht in allen Einzelheiten, zwischen den Zeilen klar. Es braucht hier auch einfach keine langen und breiten Erklärungen.
Auch die Nebencharaktere erfüllen ganz bestimmte Rollen und sind wunderbar in Szene gesetzt. Schnell habe ich ein Gefühl für sie entwickelt und war erfreut zu sehen, dass auch sie nicht einfach nur da waren, sondern auch ein Leben und eine Geschichte besaßen.
Eine herrliche Tiefe, die dem Leser eben einmal nicht ohne "Arbeit" auf die Nase gebunden wird.

Was auch immer ich von diesem Buch erwartet hatte, DAS! war es nicht gewesen. Stattdessen wurde ich überrannt, gefesselt und war ziemlich schnell dabei mir Taschentücher zu organisieren.
Schon seit Ewigkeiten ist dies mir bei einem Buch nicht mehr passiert. Dass ich das Auf und Ab der Geschichte so extrem mitgefühlt habe. Natürlich gab es auch in anderen Büchern einmal traurige Stellen, hier jedoch, waren es oft die Worte, die mich mehr berührten, als der Tod von Charakter XY.
Dazu gesellten sich die Charaktere, die wirklich nur auf den ersten Blick wirkten, als würde die Autorin tief in die Klischee-Tonne greifen.
Dieses Buch gibt mehr, als man in Worte fassen kann, was auch der Grund dafür ist, weswegen ich fast zwei Stunden diesmal für die Formulierung der Handlung brauchte. Denn egal was ich schrieb, entweder verriet es zu viel, und ich will euch ja nicht Spoilern, oder zu wenig. Ich finde, es einfach extrem schwer bei diesem Buch die richtigen Worte zu finden. Lest es einfach selbst. Aber vergesst die Taschentücher nicht. Ihr werdet sie brauchen.
 Ein Buch das berührt, Mut macht und einfach so unheimlich viel gibt.
6 von 6 mit Taschentücher überhäufte Krümeltörtchen bekommt "Vor uns das Leben" von mir verliehen. Ein grandioses Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte.  

Kommentare:

  1. Huhu,

    sehr schöne Rezi :) Ich habe es selbst schon gelesen und fand es auch gut, aber mich konnte es nicht so bewegen wie viele andere. Teilweise hatte ich beim lesen das Gefühl das auf der Mitleidsschiene gefahren wurde. Allerdings fand ich die Protagonisten sehr gelungen, jeder war einfach anders.

    LG Dinchen

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    1. Hallo Dinchen,

      na geschmäcker gehen ja auseinander :) Ich fand nicht das auf die Mitleidschiene gefahren wurde, aber genauso gut fand ich das "Krähenmädchen" schrecklich und andere beten dieses Buch an ;)
      Die Protas sind aber super gelungen :) da sind wir uns einig ^-^

      Tintengrüße von der Ruby

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